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Ein Jahr nach dem Crash

24.11.2003

Pritzwalk (BRB) ::  Am 24.11.2003, also heute vor genau einem Jahr, verunglückte um 22:18h MEZ die Bell 412 HP mit dem Kennzeichen "D-HHXX" während eines Luftrettungseinsatzes. Im Folgenden sei noch einmal eine Zusammenfassung der damaligen Ereignisse gegeben werden:
Der Hubschrauber war zu dieser Zeit als "ITH Berlin" eingesetzt gewesen. Von seinem Stützpunkt aus war der 24 Stunden am Tag einsatzbereite Hubschrauber mit dem Ziel Pritzwalk (Brandenburg) gestartet - um 20:45h UTC. Am brandenburgischen Sonderlandeplatz Pritzwalk-Sommersberg sollte die aus vier Personen bestehende Hubschraubercrew (Pilot, Copilot, Notarzt, Rettungsassistentin) einen Patienten zwecks Transport in eine Potsdamer Spezialklinik übernehmen. Den Flugplatz fuhr zur Übergabe des Patienten auch der bodengebundene Rettungsdienst an. Solche Patientenübergaben am Sonderlandeplatz sind gängige Praxis, da das Krankenhaus Pritzwalk nicht über eine geeignete Hubschrauberlandestelle verfügt. Der Hinflug des Hubschraubers erfolgte laut BFU nach Sichtflugregeln und zunächst ohne Besonderheiten. Die Reiseflughöhe soll ca. 2.000 ft MSL (über Meeresspiegel) betragen haben. Diese Reiseflughöhe verließ der Hubschrauber gegen 21:14h UTC und ging in den Sinkflug über. Der darauf folhgende Anflug wurde nachSichtflugregeln durchgeführt. Der Pilot umflog den Sonderlandeplatz auf der westlichen Seite, überflog bald darauf den wartenden RTW in sehr niedriger Höhe. Dann bekam der Hubschrauber bei verhältnismäßig hoher Geschwindigkeit ca. 300m vom RTW entfernt zunächst mit der rechten Kufe Bodenberührung. Die Kufe riss ab, der Hubschrauber zerschellte. Die Unfallstelle befand sich ca. 100m südlich der Mitte der - nicht asphaltierten - Landebahn für Starrflügelflugzeuge. Das Hubschrauberwrack fing unmittelbar nach dem Crash Feuer und brannte vollständig aus. Während sich zwei Crewmitglieder aus dem Wrack retten konnten und der Pilot (44 J.) hinausgeschleudert wurde, verblieb der Copilot (53 J.) im Wrack. Hinweise auf einen technischen Defekt des Hubschraubers hätten sich nicht ergeben, so die Ermittlungsberichte der BFU in Braunschweig, welche die für die Untersuchung dieses Unfalls zuständige Insititution ist. Teile des Wracks fand man vor allem auf einer Fläche mit den Abmaßen 15x80 Meter. Zum Unfallzeitpunkt soll an der Landestelle dichter Nebel geherrscht haben. Generell lag das Wetter jedoch über den per Gesetz geforderten Mindestwerten. Beide Piloten hatten mehr als 5.000 Hubschrauber- Flugstunden Erfahrung und hatten ihre Ausbildung beim Mlitär erhalten.
Der Transport des Patienten, den der ITH hätte abholen sollen, fand nach dem Unglück bodengebunden statt.

Aus dem Unfall resultierte ein Mangel an Hubschraubern des Typs Bell 412 innerhalb des Team DRF. Dennoch konnte der Luftrettungsbetrieb weiterhin aufrecht erhalten werden; allerdings stand keine BackUp-Maschine vom Typ Bell 412 mehr zur Verfügung. Dies ist seit der Indienststellung der EC 145 in München-Großhadern Geschichte, da in München dadurch eine Bell 412 wieder verfügbar wurde. Bis es soweit war, musste von Zeit zu Zeit auf andere Maschinen des Team DRF zurückgegriffen werden, so z.B. im August zur Absicherung einer Motorsportveranstaltung. Hier stellte der Teampartner Rotorflug den Hubschrauber, während HDM den Großteil der medizinischen Ausstattung übernahm.

Festzustehen scheint, dass sich die Bell 412 HP des HDM für Intensivverlegungen bewährt hat. Abzuwarten bleibt jedoch, ob und wenn ja wie schnell das Team DRF bzw. HDM-Flugservice dieses Hubschraubermuster (wie in München) durch die EC 145 ersetzen wird, welche besser im Doppelnutzen primär und sekundär nutzbar ist. Der Unfall in Pritzwalk jedoch scheint nicht auf Mängel an der Maschine zurückzuführen sein. Somit hat sich der Unfall von Pritzwalk in die Reihe der Flugunfälle eingereiht, die durch ungünstige Umstände und (vermutlich) Fehlverhalten der fliegerischen Crew zurückzuführen ist. Allerdings erscheint es dem Autoren nicht sinnvoll, an dieser Stelle darüber zu urteilen, ob der vorliegende Unfall auf Leichtsinn bzw. Fahrlässigkeit basierte oder nicht - auch wenn diese Frage eingehend im Internet diskutiert worden war. Es bleibt die bittere Gewissheit, dass der Rettungsfliegerei in Bezug auf die meteorologischen Umstände Grenzen gesetzt sind und leider ein risikoloses Fluggeschehen wohl niemals Realität werden kann.

 
Autor(en)
PPR
Quelle(n):
Homepage der BFU (siehe Webinks)