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PIS: EU-Verordnung 965/2012 gilt seit 28. Oktober 2014

28.10.2014

Berlin (BLN) ::  “Deutsche Luftrettung: Alexander Dobrindt sichert Landeplätze an Krankenhäusern“ titelte am gestrigen Montag (27.10.2014) die in Düsseldorf erscheinende Tageszeitung “Rheinische Post“ (RP) in ihrer Onlineausgabe. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) könne Entwarnung für die deutsche Luftrettung geben. Er habe einen “Zukunftsplan für Hubschrauberlandestellen“ an Kliniken aufgelegt.

Ziel von Dobrindts Zukunftsplanes sei es, alle Hubschrauberlandestellen an Krankenhäusern zu erhalten, um die luftgebundene Notfallrettung auch weiterhin sicherstellen zu können. "Wir setzen EU-Recht um, nutzen aber zugleich geschickt die Spielräume, die wir haben. Dazu bedarf es aber konkreter Maßnahmen, die wir mit dem Zukunftsplan angehen", heißt es dazu auf der Website des BMVI.

Zum Hintergrund

Krankenhäuser und Ärztevereinigungen hatten im Sommer Alarm geschlagen: Die am heutigen Dienstag (28.10.2014) in Kraft getretene EU-Richtlinie 965/2012, die den Betrieb von Luftfahrtzeugen innerhalb der Europäischen Union regelt und somit auch Regelungen für den sicheren Flugbetrieb mit zivilen Hubschraubern durch gewerbliche Luftrettungsunternehmen vorsieht, mache strengere bauliche Vorgaben als bisher . Man befürchtete seinerzeit, dass etwa 50 Prozent der deutschen Kliniken von Rettungs- (RTH) und Intensivtransporthubschraubern (ITH) nicht mehr hätten angeflogen werden können (rth.info berichtete).

Zur Lösung des vermeintlichen Problems nutzte Dobrindt jetzt eine Ausnahmemöglichkeit: Sein Ministerium ließ 2.346 Hubschrauber-Landestellen, davon allein 482 im bevölkerungsstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen, zu “Public Interest Sites“ (PIS), so genannten “Landestellen von öffentlichem Interesse“, erklären.

Eine Arbeitsgruppe um die Leistungserbringer Bundespolizei, ADAC-Luftrettung und DRF-Luftrettung erarbeitete in den letzten Wochen in Zusammenarbeit mit dem Luftfahrtbundesamt (LBA) eine Liste aller Landeplätze. Am Montag (27.10.2014), also nur einen Tag vor Inkraftreten der EU-Verordnung, wurde auf dem Erlasswege die Genehmigung für die nunmehr bundesweit bekannten Landeplätze erteilt.

Andreas Kümer, Sachbearbeiter beim Bundespolizei-Präsidium in Sankt-Augustin gegenüber rth.info: “Die bisher nur in regionalen Dateien der einzelnen Luftrettungsunternehmen für die eigenen Piloten erfassten Landeplätze werden nun nach einheitlichen Kriterien erfasst und bewertet. Gegebenenfalls müssen anschließend noch Verbesserungen/Veränderungen an einzelnen Landeplätzen vorgenommen werden.“ Hierzu sei man mit den betroffenen Kliniken bereits im Gespräch.

Am Beispiel der Stadt Bielefeld zeigt rth.info, wie vielfältig und unterschiedlich die Kennzeichnung von genehmigten Landeplätzen bzw. so genannten “Public Interest Sites“ (PIS) zurzeit allerdings noch ist.

Nachrichten zu diesem Thema im Archiv

Autor(en)
Jörn Fries
Wir danken für Unterstützung:
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Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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