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Viel Lärm um Rettungshubschrauber

20.06.2015

Augsburg (BAY) ::  Jede(r) wünscht sich, in akuter Lebensgefahr von einem Rettungshubschrauber (RTH) schnell und sicher in eine geeignete Klinik transportiert zu werden, doch dem Sankt-Florian-Prinzip Heiliger Sankt Florian "Verschon‘ mein Haus" Zünd‘ and‘re an! (englisch: "NIMBY - not in my backyard") folgend will keiner dem Lärm ausgesetzt sein, den Rettungshelis naturgemäß nun einmal verursachen. Dies gilt insbesondere beim Start und der Landung der fliegenden Lebensretter.

Aktuelles Beispiel: Seit rund 17 Monaten startet “Christoph 40“ vom Dach des Augsburger Klinikums zu seinen oftmals lebensrettenden Einsätzen. Im vergangenen Jahr verzeichnete “Christoph 40“, der seinen Betrieb am 28. Januar 2014 aufnahm, 1.132 Einsätze, in diesem Jahr waren es bereits über 500. Jeder Einsatz bedeutet in der Regel auch einen Start und eine Landung, manchmal auch mehrere.

Wie die “Augsburger Allgemeine“ in ihrer online-Ausgabe vom 9. Juni schreibt, formiert sich Widerstand gegen den auf dem Dach des Augsburger Klinikums stationierten “Christoph 40“. Im Mai habe es bereits eine Bürgerversammlung gegeben. Dort forderte man lautstark eine “Optimierung“ der Rettungseinsätze des “Gelben Engels“. Angezweifelt werde die Sinnhaftigkeit mancher Einsätze.

Offensichtlich hat sich bei den betroffenen Anwohnern noch nicht herumgesprochen, dass zu den primären Aufgaben eines RTHs neben dem Transport von schwer Erkrankten und schwer Verletzten in eine geeignete Klinik auch und gerade die Notarztzubringer-Funktion – als sinnvolle Ergänzung des bodengebundenen öffentlich-rechtlichen Rettungsdienstes – gehört. RTH sowie Rettungswagen (RTW) und ggf. Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) sind keine konkurrierenden Systeme, sondern ergänzen sich idealerweise – zum Wohle des Patienten!

Bereits zu Jahresbeginn hatte Daniel Bravi, der Stationsleiter der Augsburger ADAC-Luftrettungsstation, im Gespräch mit der Augsburger “StadtZeitung“ berichtet, dass “es seit dem Betriebsbeginn des 2.400 Kilogramm schweren ‘Christoph 40‘ von seiten mehrerer Anwohner zu Lärmbeschwerden gekommen sei“. Angesichts der Tatsache, dass der in Augsburg eingesetzte Rettungshelikopter vom Typ EC 135 mit 80 Dezibel “eine sehr leise Maschine“ sei, könne man wohl kaum von einer Lärmbelästigung sprechen, war Bravi selbst überzeugt. Seine Hoffnung, dass sich bald auch die letzten Kritiker mit dem “Gelben Engel“ in der Nachbarschaft anfreunden würden, erwies sich allerdings als trügerisch, wie die jüngste Berichterstattung zeigt.

Den Verfasser dieser Zeilen erinnert das Ganze an die Probleme an den Luftrettungsstationen “Christoph 7“ in Kassel (Dachlandeplatz), “Christoph 44“ in Göttingen (noch Boden-, demnächst Dachlandeplatz) “Christoph 77“ in Mainz (erst Boden-, dann Dachlandeplatz), “Christoph Berlin“ am Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn (Dachlandeplatz) und “Christoph München“ am Klinikum Großhadern (Bodenlandeplatz) in der bayerischen Metropole. Allen gemein war, dass seinerzeit die Anwohner nicht ausreichend über Sinn und Zweck von Rettungs- bzw. Intensivtransporthubschraubern im Allgemeinen und der Stationierung eines RTHs bzw. ITHs genau an diesen Standorten informiert wurden. Transparenz und Beharrlichkeit statt Verschwiegenheit und Arroganz bzw. Ignoranz seitens der Betreiber und Träger wären der bessere Weg gewesen und hätten den Gang der vermeintlichen Gegner vor die Verwaltungsgerichte sicherlich verhindern können.

Der Augsburger Luftrettungsstation “Christoph 40“ und ihrer Crew sowie dem Klinikum Augsburg, der ADAC Luftrettung und dem Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Augsburg sei gewünscht, dass sie die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen und sich aktiv an der Aufklärung der betroffenen Bevölkerung beteiligen. rth.info tut dies im Rahmen seiner Möglichkeiten mit diesem Artikel.

 

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Autor(en)
Jörn Fries