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40 Jahre Luftrettung in Straubing - demnächst Rettung mit der Seilwinde

26.11.2017

Straubing (BAY) ::  Es war am 19. November 1977: Rettungshubschrauber „Christoph 15“, eine nagelneue BO 105 Typ Bölkow des Bundesgrenzschutzes, meldet sich bei der Leitstelle einsatzklar. Die Mission der Besatzung: Menschenleben retten, wenn jede Sekunde zählt. Es war der Beginn der Luftrettung in Südostbayern. Seitdem hatten die Retter viel zu tun: Rund 50 000 Mal waren sie in den vergangenen vier Jahrzehnten Turbo-Notarztzubringer oder fliegende Intensivstation und versorgten in etwa 45 000 Patienten. Bei einem Festakt im Hubschrauberhangar der ADAC Luftrettung am Klinikum St. Elisabeth würdigte Bernd Sibler, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, das jahrzehntelange Engagement und bedankte sich bei den Rettungsteams für ihren unermüdlichen Einsatz.

1995: ADAC Luftrettung übernimmt Flugbetrieb

Von 1977 bis 1995 betrieb der Bundesgrenzschutz die Station. Erst als sich der Bund in den 90er Jahren mehr und mehr aus Kostengründen aus der Luftrettung zurückzog, wurde der Straubinger Stützpunkt neu ausgeschrieben. Die Wahl fiel auf die gemeinnützige ADAC Luftrettung, die am 1. Dezember 1995 die Station übernahm. Weitere Meilensteine in der Geschichte waren die Inbetriebnahme des neuen Hubschraubermodells „EC 135“ am 10. August 1998, das auch heute noch im Einsatz ist. Die Maschine erfüllt das Anforderungsprofil an „Christoph 15“ optimal: Der Hubschrauber bringt genügend Leistung für Notfalleinsätze auf, ist aber auch dafür geeignet, weite Strecken für Intensiv-Verlegungen zurückzulegen. Vorteile gegenüber früher sind die deutlich geringeren Lärmemissionen durch den ummantelten Heckrotor. Die Ummantelung sorgt zudem für ein Plus an Sicherheit, da die drehenden Rotoren zu den größten Gefahrenquellen für Personen am Boden zählen.

Im Juli 2014 wurde das neue Luftrettungszentrum auf dem Dach des Klinikums St. Elisabeth eröffnet. Seitdem starten die Hubschrauberbesatzungen aus 25 Metern Höhe zu ihren Einsätzen. Der Neubau mit einer Gesamtfläche von rund 1200 Quadratmetern war notwendig geworden, weil der Bodenlandeplatz geltenden Sicherheitsbestimmungen nicht mehr gerecht wurde. Zudem musste der Patient zeitaufwendig aus dem Hubschrauber in einen Rettungswagen umgelagert und anschließend in die Klinik gebracht werden. Dieser Zwischenschritt entfällt auf dem Dachlandeplatz, da der direkte Zugang in die Notaufnahme über einen separaten Aufzug möglich ist.

Demnächst mit Winde

Als einer von fünf Hubschraubern der ADAC Luftrettung bundesweit wird „Christoph 15“ demnächst probeweise für ein Jahr mit einer Seilwinde ausgerüstet. Das Flugmanöver kommt unter anderem zum Einsatz, wenn ein akut erkrankter oder verletzter Patient aus unzugänglichem Gelände des Bayerischen Waldes gerettet und notfallmedizinisch versorgt werden muss. So läuft das Verfahren ab: Nach einem Erkundungsflug tastet sich der Pilot so nahe wie möglich an die Einsatzstelle heran und lässt die Maschine ruhig in der Luft schweben. Gleichzeitig tritt der Rettungsassistent bei geöffneter Passagierraum-Seitentüre auf die Kufen und macht die Rettungswinde bereit, die wie ein verlängerter Arm seitlich nach außen ragt. Kurze Zeit später seilt er den Notarzt sowie gegebenenfalls ein Mitglied der Bergwacht, das bei einer Zwischenlandung zusteigt, zur Einsatzstelle ab. Nach der Erstversorgung des Betroffenen werden der Notarzt sowie der Patient in einem Bergesack wieder an Bord gehievt, und der Rettungshubschrauber fliegt auf direktem Weg in die Klinik.

Im Gebirge und bei Hochwasser

Maximal 50 Meter darf die Maschine über der Einsatzstelle schweben, so viel Seil steht zur Verfügung. Werden Notarzt und Patient zurück an Bord gehievt, dürfen aus Sicherheitsgründen nicht mehr als 220 Kilo am Windenhaken hängen. Neben Einsätzen im Gebirge kann das Verfahren auch bei Hochwasserlagen zum Einsatz kommen, um Betroffene, die von der Außenwelt abgeschnitten sind, notfallmedizinisch zu versorgen. An den Kosten beteiligen sich alle Projektpartner: der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Straubing, die ADAC Luftrettung, die Krankenkassen sowie das Bayerische Rote Kreuz.

Jährlich rund 1 900 Einsätze

Mittlerweile werden die Teams rund 1 900 Mal pro Jahr alarmiert, alleine in diesem Jahr waren es bis 31. Oktober 1 662 oftmals lebensrettende Einsätze. Damit ist „Christoph 15“ in Bayern der Hubschrauber der ADAC Luftrettung, der am meisten gerufen wird. Häufigster Anforderungsgrund mit 40 Prozent waren internistische Notfälle wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gefolgt von neurologischen Notfällen und Verkehrsunfällen zu jeweils 11 Prozent. Anlässlich des Jubiläums hat der ADAC Südbayern einen Filmbeitrag rund um „Christoph 15“ produziert. Anzusehen im Internet unter www.youtube.com, Suchbegriff „ADAC Südbayern“.

Anforderungsgründe*

  • Internistischer Notfall: 40 %
  • Neurologischer Notfall: 11 %
  • Verkehrsunfall: 11 %
  • Freizeit-/Sportunfall: 9 %
  • Kindernotfall/-unfall: 9 %
  • Häuslicher Unfall: 7 %
  • Arbeits-/Schulunfall: 5 %
  • Sonstiger chirurg. Notfall: 4 %
  • Sonstige Anforderung: 3 %
  • Suizid: 1 %
* Stand: Oktober 2017, nur Primäreinsätze

 
Autor(en)
Original Pressemitteilung ADAC Luftrettung