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Streit um Lärm in Murnau

30.10.2003

Murnau am Staffelsee (BAY) ::  Ein weißes Kreuz mit rotem "H" wird in Zukunft den Luftrettungsmitteln den richtigen Weg zur Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Murnau zeigen. Denn am 28.10.2003 wurde der – als "Dach" einer jüngst erbauten Tiefgarage konstruierte – neue Hubschrauberlandeplatz der Klinik eingeweiht. Dieser genügt jetzt auch den stark verschärften Sicherheitsnormen, die die europäische Norm JAR-OPS 3 für solche Hubschrauberlandeplätze vorsieht. Der Aufsetzplatz hat Abmaße von 24x24 Metern. Als Besonderheit wird die Befeuerung angesehen, die sich in ihrer Leuchtintensität der Umgebungslichtstärke anpasst. So soll vermieden werden, dass anfliegende Hubschraubercrews durch die Befeuerung geblendet werden. Über eine Rampe können Patienten in die oder aus der Notaufnahme gebracht werden. Doch bis es so weit ist, dass auf den neuen Murnauer Landeplatz auch Hubschrauber anfliegen, kann es noch etwas dauern. Dazu jedoch im Folgenden mehr.

Am 28.10. wurde die Bauabnahme vollzogen. Anwesend waren dabei u.a. wichtige Persönlichkeiten der Unfallklinik, der oberbayerischen Regierung sowie des Luftamtes Süd. Der Aufsetzplatz ist bereits genehmigt worden. Doch eine Klage verhindert bislang, dass die letzte bürokratische Hürde genommen werden kann – die Erlaubnis zum Betrieb des Landeplatzes lässt wegen des Prozesses noch auf sich warten. Hintergrund der Klage ist, wie sollte es anders sein, dass Anwohner aus dem Umfeld der Klinik Einspruch gegen die vermutete Lärmbelästigung geltend gemacht haben. Mit dieser Klage beschäftigt sich nun das Verwaltungsgericht München (Murnau liegt ca. 60 km südwestlich der Landeshauptstadt). Entsprechende Messungen der anfallenden Lärmemissionen sollen bereits vorgenommen worden sein. Mit einem Ergebnis wird spätestens bis zum Ende des Jahres gerechnet. Auf der Basis dieser Ergebnisse wird auch in München ein Urteil gefällt werden können. Solange dieses Urteil noch auf sich warten lässt, darf der Landeplatz nicht angeflogen werden. Der Architekt, Peter Poschenrieder, hat in diesem Zusammenhang versichert, dass der Lärm im Vergleich zu jetzt deutlich reduziert werde, da momentan ein Behelfsareal angesteuert werden muss. Das berichtete in diesem Zusammenhang eine bayerische Zeitung. Erwin Kinateder, Verwaltungsdirektor des UKM, erläuterte in Bezug auf die Lärmbelästigung, dass die nun am Landeplatz realisierten, durch die JAR-OPS 3 geforderten flacheren Anflugwege der Hubschrauber die Lärmemissionen reduzieren würden. Den Anwohnern komme auch zugute, dass ihre Häuser an der nahegelegenen Loisachstraße "künftig gar nicht mehr überflogen" werden, sagte Kinateder weiter. "Stattdessen erfolgen An- und Abflug über den neuen Westflügel in Richtung Murnauer Moos".

Von diesen Neuerungen am intensivsten betroffen ist indes der ITH "Christoph Murnau" der ADAC Luftrettung. Schon seit Jahren ist in Murnau ein ITH stationiert. Während zunächst die Heliservice Mitte GmbH eine Bell 222 für den Flugbetrieb stellte, hat diese Aufgabe Ende der 90er Jahre die ADAC Luftrettung GmbH mit einer BK 117 übernommen. "Christoph Murnau" ist von 07:00h bis Sonnenuntergang einsatzbereit und führt als gebirgsnaher Luftrettungsstandort eine Rettungswinde mit sich. Sollte der neue Landeplatz für den Flugbetrieb genehmigt werden, so wird dies auf den Flugbetrieb des ITH am Standort ebenfalls Auswirkungen haben, die sich wie folgt gestalten sollen:

Der Hubschrauber soll den Landeplatz anfliegen, in einigen Metern Höhe zunächst kurz in den Schwebeflug gehen und dann in geringer Höhe zu seiner Landeplattform am Hangar fliegen. Da zwischen Landeplatz und Hangaranlage eine Straße verläuft, welche durch viele bodenebundene Rettungsmittel genutzt wird, soll die Einflugschneise bei Flugbetrieb durch Schranken abgesichert werden. "Christoph Murnau" flog in den letzten beiden Jahren durchschnittlich etwa 1.000 Einsätze.

Korrektur:

Ursprünglich hatten wir berichtet, dass der Murnauer ITH 24 Stunden am Tag einsatzbereit sei. Diese Information ist nicht korrekt und wurde entsprechend korrigiert.

Autor(en)
FHR
PPR

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Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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