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15 Jahre ADAC LRZ Senftenberg

21.01.2007

Vor 15 Jahren wurde im Norden Senftenbergs die erste ADAC-Luftrettungsstation in den neuen Bundesländern feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Mit der Indienststellung von Christoph 33 übernahm die erste zivile Luftrettungsorganisation im Bundesland Brandenburg diese Aufgabe. Sie löste die provisorisch an der Senftenberger Ingenieurschule für Bergbau und Energie, heute "Fachhochschule Lausitz", stationierte Mi-2 der Bundeswehr ab. Möglich wurde dies durch die Unterzeichnung des "Staatsvertrag über die Durchführung der Luftrettung auf dem Gebiet der DDR". Dieses historische Dokument wurde am 16. August 1990 in Straußberg bei Berlin von Horst-Werner Leukel (Vizepräsident des Allgemeinen Deutschen Automobil-Club e.V.), Gerhard Kugler (Geschäftsführer der ADAC Luftrettung GmbH), Siegfried Steiger (Präsident der DRF), Prof. Dr. Jürgen Kleditzsch (DDR-Gesundheitsminister) und Rainer Eppelmann (DDR-Minister für Abrüstung und Verteidigung) unterzeichnet.
Es bedurfte einer Vorbereitungszeit von über einem Jahr, um in Zusammenarbeit mit dem Land Brandenburg als Träger der Luftrettung, dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz, der Stadt Senftenberg, dem Lausitzer Bergbauunternehmen "Laubag" und anderen regionalen Betrieben an einem geeigneten Standort in Krankenhausnähe die endgültige Rettungshubschrauberstation einzurichten. Man wurde am nördlichen Stadtrand von Senftenberg fündig. Es wurde ein leer stehendes Gebäude rekonstruiert, eine Landefläche betoniert und man errichtete einen großen Hangar. Es waren nun alle Voraussetzungen gegeben, um den Betrieb mit einer BO 105 CBS durch die ADAC Luftrettung GmbH aufzunehmen und die Mi-2 der Bundeswehr abzulösen.

Gruppenbild mit Dame am 21.12.1991. V.l.n.r.: G. Kugler, Dr. H. Handschak, Dr. R. Hildebrand, H.-W. Leukel und S. Steiger

Gruppenbild mit Dame am 21.12.1991. V.l.n.r.: G. Kugler, Dr. H. Handschak, Dr. R. Hildebrand, H.-W. Leukel und S. Steiger
Foto: Werner Wolfsfellner MedizinVerlag (München)

Am Samstag dem 21.12.1991 war es dann endlich soweit. Bei herrlichem Sonnenschein und klirrender Kälte wurde die BO 105 CBS mit der Kennung D-HELM an die diensthabende Besatzung übergeben. Die angereiste Ministerin für Gesundheit und Soziales des Landes Brandenburg Frau Dr. Regine Hildebrand betonte die Wichtigkeit der Modernisierung der Luftrettung, deshalb habe das Land Brandenburg finanziell fast zu 100 % den Aufbau des Luftrettungszentrum und zu 90 % die Beschaffung des Rettungshubschraubers unterstützt.
Das gezeigte Gruppenfoto bei der ersten Indienstnahme von Christoph 33 zeigt v.l.n.r.: Gerhard Kugler (Geschäftsführer der ADAC Luftrettung GmbH), Dr. Hartmut Handschak (Leiter des Rettungsamtes Senftenberg), Dr. Regine Hildebrand (Gesundheitsministerin Land Brandenburg), Horst-Werner Leukel (Vizepräsident des ADAC e.V.) und Siegfried Steiger, Präsident der DRF.
Christoph 33 kann auf eine stolze Bilanz verweisen, denn er wurde in den 15 Jahren insgesamt zu 17.073 Einsätze alarmiert.

 Christoph 33, die BO 105 CBS mit ihrem markanten Logo der

Christoph 33, die BO 105 CBS mit ihrem markanten Logo der "Lausitzer Luftrettung" an der Seitentür. Die Maschine mit der Kennung D-HELM versieht noch heute ihren Dienst in Senftenberg
Foto: Uwe Mattuschka

Da das Land entsprechend dem "Brandenburgischen Rettungsdienstgesetz" als Träger der Luftrettung nicht nur den Rettungs-, sondern auch die Verlegungsflüge sicherzustellen hat, wurde bereits frühzeitig und über mehrere Jahre entsprechende Untersuchungen durchgeführt, um den Verlegungsbedarf der Krankenhäuser des Landes Brandenburg und seine Realisierungsmöglichkeiten festzustellen. Man kam zu einem Bedarf von zirka 600 Verlegungen im Jahr wobei der Anteil im Süden Brandenburgs wesentlich höher war als im dünner besiedelten Norden. Da das Land außerdem für den Verlegungsflug von Anbeginn das Prinzip der ländergrenzenübergreifenden Kooperation und insbesondere den zentral im Land Brandenburg stationierten Berliner Intensivhubschrauber in die Verlegungsflugkonzeption einbezog, war es folgerichtig, den Standort des Verlegungshubschraubers im Süden des Landes vorzusehen. Anhand einer Kostenanalyse wurde festgestellt, dass mit der Stationierung einer BK 117 am Luftrettungszentrum Senftenberg durch Doppelnutzung der vorhandenen Strukturen erhebliche Einspareffekte erzielbar sind.

Christoph 33 im Anflug auf die Station. Das LRZ Senftenberg ist das einzige der ADAC Luftrettung, dass im Regelbetrieb noch eine BO 105 CBS fliegt

Christoph 33 im Anflug auf die Station. Das LRZ Senftenberg ist das einzige der ADAC Luftrettung, dass im Regelbetrieb noch eine BO 105 CBS fliegt
Foto: Uwe Mattuschka

Am 01.07.1994 nahm der Intensivhubschrauber "Christoph 71", eine BK 117 mit der Kennung D-HSFB seinen Betrieb auf, was auch gleichzeitig die Geburtsstunde der integrierten Luftrettungsstation war. Erstmalig wurden an einem LRZ ein Rettungs- und ein Intensivhubschrauber stationiert.
Natürlich mussten im Vorfeld bauliche Veränderungen vorgenommen werden. So wurden zwei neue betonierte Hubschrauberlandeplätze gebaut und eine Landeplatzbefeuerung installiert. Eine Wetterstation und eine 50.000 Liter fassende Unterflurtankanlage komplettierten die Anlage. Christoph 71 übernahm nun auch die Aufgabe des ADAC, Patienten aus der Republik Polen und der Tschechischen Republik zurück zu holen. Um die weiten manchmal unnötigen Strecken zu bewältigen, in der Republik Polen z.B. konnte man die Krankenhäuser nicht direkt anfliegen sondern musste erst auf einem Flughafen mit Zollstation wegen der Passkontrolle landen, wurde die BKK 117 nachträglich mit einen Zusatztank ausgestattet. Bis heute ist sie die einzige Maschine, die in Deutschland in dieser Ausstattung fliegt.

Christoph 71, die BK 117 mit der Kennung D-HSFB war die erste Maschine in Senftenberg für Intensivtransporte. Markantes Zeichen ist ihr Außenzusatztank. Heute ist sie am Flughafen Münster stationiert

Christoph 71, die BK 117 mit der Kennung D-HSFB war die erste Maschine in Senftenberg für Intensivtransporte. Markantes Zeichen ist ihr Außenzusatztank. Heute ist sie am Flughafen Münster stationiert
Foto: Uwe Mattuschka

Mit der Entscheidung der ADAC Luftrettung GmbH, nach der Modernisierung ihrer RTH-Hubschrauberflotte mit dem Eurocopter EC-135 auch die Intensivhubschrauber mit einem moderne Muster auszurüsten, wurden in Senftenberg und Mainz jeweils eine EC 145 in den Einsatzdienst gestellt. Seit Juli 2003 ist nun die D-HWVS am Rande des ehemaligen Tagesbaues Meuro stationiert. Mit der Einführung eines neuen Hubschraubermusters in die Luftrettung gab es natürlich auch anfänglich Schwierigkeiten, so dass die Besatzungen in Brandenburg und Rheinland-Pfalz auch ein bisschen Pionierarbeit leisten mussten. Erfahrungen aus den Einsätzen wurden gesammelt und eine optimale Ausstattung für diese Konfiguration der Maschine gefunden. Um die Leistungsfähigkeit dieses Helikopters im Bereich der Luftrettung zu steigern, ist eine enge Zusammenarbeit mit Eurocopter unumgänglich, so dass diese Maschinen für Optimierung und Zertifikationen in Donauwörth bzw. Landshut zur Verfügung gestellt werden.

Erste Landung in Senftenberg am 16.07.2003. Die EC 145 wurde sicher von Pilot H.-G. Schäfer aus Bayern zum LRZ überführt

Erste Landung in Senftenberg am 16.07.2003. Die EC 145 wurde sicher von Pilot H.-G. Schäfer aus Bayern zum LRZ überführt
Foto: Steffen Hirsch – Team Christoph 33/71

Ein Vorteil für die zuständige Leitstelle ist natürlich, dass der ITH auch zu Primäreinsätzen zur Verfügung steht. Sieht man sich die geographische Lage an, so liegt der Luftrettungsstützpunkt mitten in einer durch Tagebaue zu Zeiten der DDR zerklüfteten Landschaft und hat unweigerlich lange Anfahrtswege für den bodengebundenen Notarzt zur Folge, was nachts und bei schlechten Wetter, wo die Helikopter am Boden gebunden sind deutlich spürbar ist. Ein weiterer Standortvorteil ist die Absicherung der Autobahnen A13 Berlin-Dresden, A15 Spreewalddreieck - Grenze Republik Polen (nach der Wende 1989 wurde die zweispurige Autobahn bis zu ihrem Ausbau als "Todespiste" bezeichnet) und die A4 Dresden-Nord in Richtung Görlitz wobei diese Aufgaben nach Indienststellung von Christoph 38 Dresden (Juli 1993 BMI, Übergabe Januar 2006 an DRF) und Christoph 62 Bautzen (August 1998) vorrangig übernommen wurden. Natürlich schaut man auch in die Zukunft. Tagebaue zum Abbau von Braunkohle gibt es nur noch nördlich von Cottbus und im nordsächsischen Raum in der Nähe von Weißwasser und Hoyerswerda. In Tagebaurestlöchern werden durch gezielte Sprengungen Böschungen gesichert und mit Wasser aus Flüssen der Umgebung langsam geflutet. Damit entsteht ein Seengebiet, dass auch durch Kanäle untereinander verbunden und schiffbar sein wird. Man setzt nach der Kohle auf den Tourismus und hat auch mit dem Luftrettungszentrum in der Senftenberger Ackerstraße ein Höchstmaß an schneller und qualitativer hoher medizinischer Versorgung bei akut auftretenden Krankheiten.

Zeitgeschichte: Eine SMH 3 auf Barkas B 1000, 1989 Standardfahrzeug der

Zeitgeschichte: Eine SMH 3 auf Barkas B 1000, 1989 Standardfahrzeug der "Schnellen Medizinischen Hilfe" der DDR und "Christoph Brandenburg" heute, eines der modernsten Rettungsmittel in Deutschland
Foto: Uwe Mattuschka

Schaut man genau auf die Einsatzstatistik, so ist ein deutlicher Aufwärtstrend seit 2005 zu verzeichnen. Das war der Zeitpunkt als man den Beschluss des Innenministeriums des Landes Brandenburg, die Anzahl der Leitstellen zu reduzieren, im südlichen Brandenburgs umsetzte und eine ?Regionale integrierte Leitstelle? bei der Berufsfeuerwehr Cottbus eingerichtet wurde. Seitdem werden alle Einsätze der Landkreise Dahme-Spree, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und der kreisfreien Stadt Cottbus von dort aus koordiniert. Es hat auch in dieser Zeit ein Umdenken in den Rettungsdienstbereichen und ihrer ärztlichen Leiter stattgefunden. Man sieht den Rettungshubschrauber nicht mehr als Konkurrenz zum bodengebundenen Notarzt für sein Einsatzgebiet, sondern als sinnvolle Ergänzung.

Doch es gibt noch eine Vorgeschichte der Lausitzer Luftretter, denn die Geburtsstunde fällt eigentlich auf Ostern 1990. Zu diesem Termin wurden die ersten 7 Rettungshubschrauber auf dem Territorium der DDR stationiert, so auch an der Ingenieurschule für Bergbau und Energie in Senftenberg. Am 09.11.1989 fiel die Mauer und damit vervielfachte sich das Verkehrsaufkommen auf eine Infrastruktur von Straßen, die der Belastung nicht in diesem Ausmaß gewachsen war. Besondere medizinische Rettungsmaßnahmen wurden erforderlich. Zu diesem Zeitpunkt existierte die Luftrettung in Deutschland schon 20 Jahre und ein Mann machte sich frühzeitig Gedanken, wie diesen Rettungsmittel in das System der "Schnellen Medizinischen Hilfe" der DDR eingebracht werden konnte. OMR Dr. med. Hartmut Handschak knüpfte schnell Kontakte zu allen Organisationen, die in der Luftrettung tätig waren. Die Unterstützung und geleistete Hilfe des ADAC, der DRF, des SAR-Kommandos und des BGS empfand er als fundamental und mit den Frauen und Männern der ersten Stunde, die mit ihm angetreten waren, schafften sie das fast Unmögliche und bauten innerhalb von 10 Tagen die provisorische Struktur einer Luftrettungsstation an der Ingenieurschule für Bergbau und Energie in Senftenberg auf. In Zusammenarbeit mit der NVA Hubschrauberstaffel zur Führung und Aufklärung 103 (HSFA-103) des Kampfhubschraubergeschwaders 3 ?Ferdinand von Schill? (KHG 3) in Cottbus wurde ein Hubschrauber vom Typ Mi-2 mit einer rettungsmedizinischen Ausrüstung versehen. Pünktlich am 10. April 1990 nahm der SAR-Rettungshubschrauber "Äsculap 8" seinen Dienst auf.

Eine Rarität, leider nur vom 21.09. bis 03.10.1990 so lackiert zu sehen. Eine Mi-2 der HSFA-103 des KHG 3 in Cottbus in den Farben der ADAC Luftrettung und mit dem Logo des ADAC und der DRF

Eine Rarität, leider nur vom 21.09. bis 03.10.1990 so lackiert zu sehen. Eine Mi-2 der HSFA-103 des KHG 3 in Cottbus in den Farben der ADAC Luftrettung und mit dem Logo des ADAC und der DRF
Foto: OMR Dr. med. Hartmut Handschak – Team Christoph 33/71

Nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages gab man der Mi-2 eine zivileres Aussehen und lackierte sie gelb um und versah sie mit den Logos der ADAC Luftrettung GmbH und der DRF. "Christoph 50" wurde am 21. September 1990 in Dienst gestellt, blieb aber nur bis zum 3. Oktober 1990 in Senftenberg stationiert. Mit dem Beitritt der DDR zum Staatsgebiet der BRD und somit auch der Eingliederung der Nationalen Volksarmee in die Bundeswehr, übernahm das SAR-Kommando wieder die Aufgabe der Luftrettung in den neuen Bundesländern bis zur Übergabe an zivile Luftrettungsorganisationen oder BMI.

Christoph 50 beim Start vom Sportplatz der Ingenieurschule für Bergbau und Energie in Senftenberg

Christoph 50 beim Start vom Sportplatz der Ingenieurschule für Bergbau und Energie in Senftenberg
Foto: Thomas Klemm – Team Christoph 33/71

In der mehr als 15jährigen Geschichte der Senftenberger Luftretter ist die Aufgabe immer die gleiche geblieben, doch die Einsatztechnik und die Einsatzmethoden wurden stetig verbessert. Freud und Leid lösen sich in diesem Beruf ab. Bei einem Einsatz kann durch das schnelle Eintreffen des Hubschraubernotarztes und den Weitertransport in eine spezielle Klinik das Leben des Menschen gerettet werden. Beim nächsten Notruf werden der Besatzung die Grenzen der Medizin aufgezeigt, alles Können der Mediziner und modernste Ausrüstung helfen nicht, den Kampf gegen den Tod zu gewinnen. Sie haben gelernt damit professionell umzugehen auch wenn es manchmal schwer fällt, denn beim nächsten Einsatz ist ihrer volle Aufmerksamkeit und Konzentration auf die neue Situation gefordert.

Die Mi-2 des SAR-Kommandos am Standort Senftenberg

Die Mi-2 des SAR-Kommandos am Standort Senftenberg
Foto: Team Christoph 33/71

Natürlich gibt es auch Episoden an die man sich gern erinnert, vor allem aus der Rubrik "Kurios". Auf die Frage eines Fernsehteams des Rundfunks Berlin Brandenburg in einem Interview zum 15jährigen Bestehen, ob es denn auch solche Einsätze gab, erzählte Dr. Handschak über einen Einsatz in Senftenberg.

"Durch die zuständige Leitstelle wurde 'Christoph 33' zu einer akuten Luftnot in der Stadt Senftenberg alarmiert, da der bodengebundene Notarzt bereits im Einsatz war. Kurze Zeit später landete unser Team in einem Neubaugebiet und wir eilten in die Wohnung der älteren Dame. Diese schaute uns in ihrem Rollstuhl sitzend erschrocken an und war erst einmal sprachlos. Auf meine Frage, seit wann sie denn Luftnot habe, sagte die noch immer verunsicherte Dame, dass sie den DRK-Hausnotruf alarmiert habe, weil ihr die Luft in einem der Reifen des Rollstuhls knapp wurde. Das ist dann wohl im ersten Gespräch durch den Hausnotruf falsch interpretiert worden. Aber auch in dieser nicht alltäglichen Situation konnte der Dame geholfen werden."

Die Redaktion dankt für Unterstützung: ADAC Luftrettung GmbH, Team Christoph 33/71, Werner Wolfsfellner MedizinVerlag München

 
Autor(en)
Uwe Mattuschka