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Siegener Station feierte 30sten Geburtstag

06.09.2012

Mit einem "Tag der offenen Tür" vor und im Hangar der Luftrettungsstation "Christoph 25" am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen feierten das RTH-Team, die ADAC-Luftrettung GmbH und der ADAC Westfalen e. V. am Samstag, den 25. August 2012 von 10 bis 17 Uhr den 30sten Geburtstag ihres "Gelben Engels". Eingeladen hierzu war neben viel Prominenz auch die Bevölkerung aus nah und fern. Auch das bisweilen recht launische Wetter hielt sie nicht davon ab, dem Luftrettungszentrum einen Besuch abzustatten und "ihren" Rettungshubschrauber aus der Nähe zu bestaunen.

Der "Tag der offenen Tür" am ADAC-Luftrettungszentrum "Christoph 25" war schon am Vormittag gut besucht

Der "Tag der offenen Tür" am ADAC-Luftrettungszentrum "Christoph 25" war schon am Vormittag gut besucht

Foto: Jörn Fries

Auch am Nachmittag riss der Besucherstrom am ADAC-Luftrettungszentrum "Christoph 25" nicht ab

Auch am Nachmittag riss der Besucherstrom am ADAC-Luftrettungszentrum "Christoph 25" nicht ab

Foto: Jörn Fries

Permanent umringt war die vor dem Hangar geparkte BK 117 ("D-HBRE"), die stellvertretend für die Einsatzmaschine vom Typ EC 135 die derzeit in Deutschland eingesetzten Luftrettungsmittel repräsentierte. Dem RTH-Team, das wie mithelfende Angehörige durch eigens für das Jubiläum angeschaffte blaue Poloshirts gekennzeichnet war, wurden Löcher in den Bauch gefragt, und am liebsten hätte jeder mal auf dem Pilotensitz rechts vorne Platz genommen. Nur den wenigsten fiel dabei auf, dass es sich um eine etwas größere Maschine handelt, wie sie von ADAC Luftrettung und DRF Luftrettung in der Regel nur als Intensivtransporthubschrauber (ITH) oder zur Windenrettung eingesetzt wird.

Ein Notarzteinsatzfahrzeug und ein Rettungswagen der Feuerwehr Siegen sowie ein Intensivtransportwagen ("Intensivmobil") der Malteser repräsentierten den modernen bodengebundenen Rettungsdienst im Kreis Siegen-Wittgenstein. Alle drei waren durch ihre Farbgebung bzw. Beklebung "echte Hingucker". Im Hangar konnte man vier Ölgemälde von Dr. Martin Schiffarth bewundern sowie Infostelen bzw -tafeln der ADAC-Luftrettung GmbH. Auch war für Essen und Trinken gesorgt, wobei die Siegener Luftretter von einem Caterer unterstützt wurden, der Hamburger im American Style anbot. Stündliche Führungen durch die neue Zentrale Notaufnahme des unmittelbar benachbarten Krankenhauses standen ebenfalls auf dem Programm und wurden gerne und dankbar angenommen.

Im Fokus von Groß und Klein: Die EC BK 117 ITH "Christoph Rheinland" (D-HBRE) als Mock-Up

Im Fokus von Groß und Klein: Die EC BK 117 ITH "Christoph Rheinland" (D-HBRE) als Mock-Up

Foto: Jörn Fries

Ein Intensivmobil (ITW) der Malteser und ein RTW der Feuerwehr Siegen waren neben einem NEF der Feuerwehr Siegen weitere Hingucker

Ein Intensivmobil (ITW) der Malteser und ein RTW der Feuerwehr Siegen waren neben einem NEF der Feuerwehr Siegen weitere Hingucker

Foto: Jörn Fries

Der "echte" Rettungshubschrauber "Christoph 25" stand unterdessen auf seiner Parkposition auf dem Dachlandeplatz des Diakonie Klinikums und konnte so gefahrlos für alle Beteiligten zu Notfalleinsätzen starten und später wieder am Siegener Krankenhaus landen. Dabei war dort genügend Platz für eine weitere Maschine, die dann auch im Verlauf des Nachmittags eintraf. Es war der Kölner ITH "Christoph Rheinland".

Stand während der Veranstaltung für Notfalleinsätze zur Verfügung: die Standortmaschine "Christoph 25" vom Typ EC 135 (D-HPMM) auf dem Dachlandeplatz des Diakonie Klinikums Jung-Stilling

Stand während der Veranstaltung für Notfalleinsätze zur Verfügung: die Standortmaschine "Christoph 25" vom Typ EC 135 (D-HPMM) auf dem Dachlandeplatz des Diakonie Klinikums Jung-Stilling

Foto: Jörn Fries

Brachte einen Patienten ins Diakonie Klinikum Jung-Stilling: die noch als "Christoph 32" beklebte Ersatzmaschine "Christoph Rheinland" vom Typ EC BK 117 (D-HSMA)

Brachte einen Patienten ins Diakonie Klinikum Jung-Stilling: die noch als "Christoph 32" beklebte Ersatzmaschine "Christoph Rheinland" vom Typ EC BK 117 (D-HSMA)

Foto: Jörn Fries

Jung und Alt, Klein und Groß nutzten außerdem die Gelegenheit, um sich die ausgestellten, sehr detailgetreu nachgebildeten Radio-Controlled-Hubschraubermodelle in den Maßstäben 1:5 (EC 135 RTH "ADAC") und 1:8 (EC Bo 105 CBS-5 und EC 135 T2i ZSH-RTH "BMI") anzusehen. Leider war es aufgrund der beengten Verhältnisse und der Witterung nicht möglich, diese Modelle im Realflug zu sehen, was nicht nur die Kleinsten unter den Besuchern bedauerten.

Weitgehend originalgetreu: Das RC-Modell der EC 135 im Maßstab 1:5

Weitgehend originalgetreu: Das RC-Modell der EC 135 im Maßstab 1:5

Foto: Jörn Fries

Festredner betonten immer wieder den Team-Gedanken

Um 11 Uhr begann im Hangar der Festakt, zu dem Frau Susanne Matzke-Ahl, Geschäftsführerin der ADAC Luftrettung, alle Anwesenden herzlich einlud. Für alle Beteiligten hat das Siegener ADAC-Luftrettungszentrum eine ganz besondere Bedeutung: Denn neben Bayreuth gehört Siegen zu den ersten beiden Luftrettungszentren, die die seinerzeit gerade erst gegründete ADAC-Luftrettung GmbH gemeinnützige Gesellschaft im Jahr 1982 neu aus dem Boden "stampfte". Und "es war eine schwere Geburt", wie Frau Matzke-Ahl in ihrer Moderation anlässlich des Tages der offenen Tür sagte.

Landrat Paul Breuer als höchster Vertreter des Kernträgers der Siegener Luftrettungsstation erinnerte sich noch genau an die Anfänge der damals eingesetzten Bo 105: "Sie kam damals, vor 30 Jahren, als Hoffnungsträger zu uns." Aufgrund der topograpischen Gegebenheiten sei es vorher schwierig gewesen, den Notarzt zeitnah zum kritisch kranken oder verunfallten Patienten zu bringen. Die 1.275 Einsätze im Jahr 2011 seien ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie wichtig auch heute noch der Rettungsheli sei.

Steffen Mues, der Bürgermeister der Kreisstadt Siegen, betonte, dass die Feuerwehr Siegen von Anfang an mit im Boot gesessen habe und "der ADAC [ebenfalls] ein ganz, ganz wichtiger Partner" für die Verantwortlichen vor Ort sei. Christoph 25 sei ein "elementarer Baustein in der Notfallrettung", was sich auch "in der hohen Akzeptanz der Bevölkerung" ausdrücke.

Thomas Burkhardt, der Vizepräsident für Technik des ADAC e. V. (München), betonte in seiner freien Rede, dass er "Befürworter, kein Begeisteter" sei, da hinter jedem Einsatz ein in der Regel schwer verletzter oder erkrankter Patient stehe, der zeitnah Hilfe bräuchte. Gerade daraus ergäbe sich die Notwendigkeit der fliegenden Retter. Er sprach von der "Luftrettungskette", in der der ADAC nicht alleine sei. Dr. Josef Rosenbauer, der Geschäftsführer der Diakonie in Südwestfalen gGmbH, betonte ebenfalls, dass für das die Infrastruktur und die Notärzte stellende Krankenhaus von Beginn an "der ADAC in der Luftrettung ein verlässlicher Partner" gewesen sei.

Dr. Martin Hoeser, der Leitende Hubschrauberarzt des "Christoph 25", sprach von der "täglichen Herausforderung des Neuen" als Motivation der RTH-Crew und sprach am Schluss seines historischen Abrisses eine Bitte an die anwesenden Verantwortlichen aus: Die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung und der Hygienebestimmungen machten es erforderlich, dass auch das in die Jahre gekommene Siegener Luftrettungszentrum für die Zukunft fit gemacht werden müsse - und stieß dabei keinesfalls auf taube Ohren.

Thomas Oehler, Vorstandsmitglied für Technik, Verkehr und Umwelt des ADAC Westfalen e. V., beendete die Runde der Grußwort-Redner und betonte, dass die Luftrettung "imageprägend für den Club" sei und erinnerte mit dem Verweis auf den ADAC-Rettungshubschrauber "Christoph 8" an die zaghaften Anfänge der Luftrettung in Westfalen. Luftrettung sei "ein strategisches Thema" - und 30 Jahre unfallfreies Fliegen bei 29.455 Einsätze seit 1982 hier am Siegener Standort ein Beleg für die Wichtigkeit permanenter Erneuerung. Anschließend konnten bei einem kleinen Imbiss die angesprochenen Themen in kleineren Gesprächsrunden vertieft werden.

Der langjährige Ltd. Hubschrauberarzt Dr. Martin Moeser referierte über die (Erfolgs-)Geschichte des RTH "Christoph 25"

Der langjährige Ltd. Hubschrauberarzt Dr. Martin Moeser referierte über die (Erfolgs-)Geschichte des RTH "Christoph 25"

Foto: Jörn Fries

Zu Gast am Diakonie Klinikum Jung-Stilling war am Nachmittag auch der ITH "Christoph Rheinland" aus Köln. Er hatte einen Patienten nach Siegen transportiert und stand, ebenso wie die Siegener Einsatzmaschine, aus Sicherheitsgründen für die vielen Besucher unzugänglich auf dem Dachlandeplatz des Krankenhauses. Da die normale Standortmaschine als Static Display vor dem Hangar des Siegener Luftrettungszentrums stand, kam die EC BK 117 mit der Kennung D-HSMA zum Einsatz, die normalerweise als Ersatzmaschine für den RTH "Christoph 32" in Ingolstadt im Einsatz ist, wartungsbedingt jedoch in Bonn-Hangelar weilte. Für das Fernsehteam des WDR war dies natürlich eine weitere, besondere Gelegenheit, um tolle Flugaufnahmen von der (Ersatz-)Maschine für den Abendnachrichten-Beitrag zu machen.

Am späten Nachmittag verließ der ITH "Christoph Rheinland" Siegen wieder in Richtung Rheinland - dokumentiert von einem Kameramann des WDR

Am späten Nachmittag verließ der ITH "Christoph Rheinland" Siegen wieder in Richtung Rheinland - dokumentiert von einem Kameramann des WDR

Foto: Jörn Fries

Sehr gut angenommen wurden die kostenpflichtigen Rundflüge der Firma kayfly aus Burbach (Kreis Siegen-Wittgenstein). Für die Bell Jet Ranger (D-HHUD) hatte man eigens oberhalb der Parkplätze einen Sonderlandeplatz angelegt, von dem aus die silber-blaue Maschine zu ihren rund achtminütigen Rundflügen über das Siegerland startete.

Mit der Bell Jet Ranger 206 (D-HHUD) der Firma kayfly konnte man rund achtminütige Rundflüge machen. Dieses kostenpflichtige Angebot wurde von den Besucherinnen und Besuchern des Tages der offenen Tür sehr gut angenommen

Mit der Bell Jet Ranger 206 (D-HHUD) der Firma kayfly konnte man rund achtminütige Rundflüge machen. Dieses kostenpflichtige Angebot wurde von den Besucherinnen und Besuchern des Tages der offenen Tür sehr gut angenommen

Foto: Jörn Fries

Der Autor dankt dem Team des RTH "Christoph 25" um Pilot Markus Scheld und Notarzt Dr. med. Christoph Herbst und den Verantwortlichen des Diakonie-Klinikums für die ihm eingeräumte Möglichkeit, den Dachlandeplatz zu betreten sowie die neue Zentrale Notaufnahme im Rahmen einer Einzelführung zu besichtigen.

Autor(en)
Jörn Fries

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Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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