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“Christoph 10“ – der Luftretter für den ländlichen Raum

30.07.2017

Der am St. Elisabeth-Krankenhaus in Wittlich stationierte Rettungshubschrauber “Christoph 10“ gehört mit seinen über 40 Lenzen zu den ersten Zivilschutz-Hubschraubern (ZSH) der alten Bundesrepublik. Zugleich ist er gegenwärtig einer der modernsten Rettungshubschrauber (RTH) in Deutschland. Denn in Wittlich wird neben Siegen und Ingolstadt (alle drei Stationen werden von der ADAC Luftrettung betrieben) seit November 2015 eine der drei hochmodernen H135 der ADAC Luftrettung eingesetzt. Im Jahresdurchschnitt fliegt “Christoph 10“ rund 2.000 Einsätze und gehört damit zu den Vielfliegern unter den deutschen Rettungshubschraubern. Er wird überwiegend als schneller Notarztzubringer eingesetzt, was auch seine hohen Einsatzzahlen erklärt.

Vor zwei Jahren gab es einen Tag der offenen Tür anlässlich des Doppeljubiläums “40 Jahre St. Elisabeth-Krankenhaus & Luftrettung in Wittlich“

Vor zwei Jahren gab es einen Tag der offenen Tür anlässlich des Doppeljubiläums “40 Jahre St. Elisabeth-Krankenhaus & Luftrettung in Wittlich“
Foto: Jörn Fries

Die D-HXBC ist in Wittlich stationiert – sie gehört zu den drei H135 der ADAC Luftrettung, erkennbar am geänderten Design des Heckrotors

Die D-HXBC ist in Wittlich stationiert – sie gehört zu den drei H135 der ADAC Luftrettung, erkennbar am geänderten Design des Heckrotors
Foto: Tobias Klein

Als der ZSH im Herbst 1975 am damals neuen St. Elisabeth-Krankenhaus in Dienst gestellt wurde, unterschied er sich in einem wesentlichen Punkt von den anderen bis dato in Dienst gestellten Luftrettungsmitteln des Bundes (BMI und BMVg): Diese waren allesamt in Ballungszentren an Kliniken der Maximalversorgung (beispielsweise “Christoph 2“ an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik [BGU] in Frankfurt am Main, “Christoph 9“ an der BGU in Duisburg oder “SAR 73“ am Bundeswehr-Zentralkrankenhaus [BwZKrhs] in Koblenz) oder an Flugplätzen (beispielsweise “Christoph 3“ in Leverkusen-Kurtekotten, später nach Köln-Merheim an das dortige Klinikum verlegt) stationiert worden. Auch der “Christoph 1“ des ADAC, der 1975 gerade erst vom Bund übernommen worden war, gehörte und gehört bis heute mit seinem Standort am Städtischen Klinikum München-Harlaching zu den in einem Ballungszentrum stationierten Helikoptern. “Christoph 10“ hingegen wurde bewusst in einer weitläufigen Region stationiert worden – wobei nicht vergessen werden soll, dass die antike Römerstadt Trier auch um ihn gebuhlt hatte. Doch schon damals waren allerdings lärmgeplagte Anwohner ein Problem für die Verantwortlichen – und so kam “Christoph 10“ nach Wittlich in die Eifel.

rth.info zeichnet kurz die abwechslungsreiche Geschichte dieses Vielfliegers nach, dessen 40sten Geburtstag man im September 2015 mit einem Tag der offenen Tür und einem offiziellen Festakt am Standort Wittlich des Verbundkrankenhauses Bernkastel/Wittlich feierte.

Neben den vier Hubschraubern gab es auch viele bodengebundene Rettungsmittel zu sehen

Neben den vier Hubschraubern gab es auch viele bodengebundene Rettungsmittel zu sehen
Foto: Tim und Ralph Nußbaum

Gehört mit rund 2.000 Einsätzen im Jahr zu den Vielfliegern: der RTH “Christoph 10“ (hier die D-HUTH im September 2015 am ADAC-Luftrettungszentrum Wittlich)

Gehört mit rund 2.000 Einsätzen im Jahr zu den Vielfliegern: der RTH “Christoph 10“ (hier die D-HUTH im September 2015 am ADAC-Luftrettungszentrum Wittlich)
Foto: Tobias Klein

Geschichtliches

Im Oktober 1900 wurde das erste Kreiskrankenhaus St. Elisabeth in Wittlich feierlich eröffnet. Das Haus mit 98 Betten stand unter der pflegerischen und wirtschaftlichen Leitung von 28 Ordensschwestern von der Genossenschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach. Durch einen Anbau in den Jahren 1928/29 wurde es auf 160 Patienten- und 60 Personalbetten erweitert. Das während des 2. Weltkrieges als Hilfslazarett dienende Gebäude wurde im Dezember 1944 durch schwere Luftangriffe zu fast 75% zerstört. Im September 1945 konnte wieder ein behelfsmäßiger Krankendienst aufgenommen werden. 1970 erfolgte die Grundsteinlegung für ein neues Krankenhaus in der Koblenzer Straße 91, welches im Mai 1975 eingeweiht wurde.

Der damalige Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin, Dr. Walter Neussel, erreichte im gleichen Jahr, dass das Bundesministerium des Innern (BMI) der Stationierung eines Zivilschutz-Hubschraubers auf dem Wittlicher Klinikgelände zustimmte.

Am 22. Oktober 1975 wurde der ZSH “Christoph 10“ am Standort Wittlich mit einer gelben BO 105 in Dienst gestellt. Träger war das Bundesministerium des Innern (BMI), die Piloten wurden vom Bundesgrenzschutz (BGS, heute Bundespolizei [BPOL]) gestellt. Im Rahmen der Amtshilfe übernahmen die Heeresflieger aus dem nordhessischen Fritzlar am 29. April 1976 mit einer NATO-olivgrünen Bell UH-1D die Station, um die Verantwortung am 4. September 1979 wieder an das BMI zurückzugeben. Zum Einsatz kommt nun eine orange BO 105, die Piloten werden wieder vom BGS gestellt. Anfang der 1990er Jahre fliegt in Wittlich auch eine der wenigen Bell UH-1D des BGS in orangem Lack. Sie ist heute im Luftfahrtmuseum in Hermeskeil ausgestellt. Im Januar 1997 wird die Station dann an die seinerzeitige ADAC Luftrettung GmbH übergeben. Zum Einsatz kommt die damals erste EC 135 des ADAC (D-HLEU, zunächst im Rüststand P1). In den Jahren 2011 und 2012 werden Erweiterungsmaßnahmen am Stationsgebäude sowie die Renovierung des Hangars durchgeführt.

Seit der Indienststellung im Jahr 1975 wurden rund 40.000 Einsätze geflogen. Im Jahr 2016 lag “Christoph 10“ mit 2.057 Einsätzen an zweiter Stelle aller Primär- (RTH) und Sekundärluftrettungsmittel (ITH) in Deutschland. Neben den Piloten der ADAC Luftrettung gGmbH besteht die Besatzung aus Ärzten des St. Elisabeth-Krankenhauses, und die HEMS TC werden durch das örtliche Rote Kreuz gestellt.

Der “SAR 41“ aus Nörvenich schwebt ein – unvergessen sein “Sound of Rescue“

Der “SAR 41“ aus Nörvenich schwebt ein – unvergessen sein “Sound of Rescue“
Foto: Jörn Fries

Tag der offenen Tür

Am Samstag, den 12. September 2015 veranstalteten das Verbundkrankenhaus Bernkastel/Wittlich und die ADAC Luftrettung gGmbH anlässlich des gemeinsamen Jubiläums “40 Jahre St. Elisabeth-Krankenhaus & Luftrettung in Wittlich“ einen Tag der offenen Tür. Die beiden Veranstalter zählten zwischen 11 und 18 Uhr insgesamt rund 3.000 Besucher.

Bereits mehr als eine Stunde vor der offiziellen Eröffnung hatten sich im September 2015 einige Interessierte am St. Elisabeth Krankenhaus eingefunden, um den vorab angekündigten Bundeswehr-Hubschrauber “SAR 41“ aus Nörvenich im Anflug und bei der Landung im Bild festzuhalten. Gegen 9 Uhr 45 flog die Bell UH-1D mit ihrem markanten Sound und ihren leuchtorangen Seitentüren ein.

Im Klinikgebäude gab es eine sehenswerte Ausstellung zum Herzen zu sehen

Im Klinikgebäude gab es eine sehenswerte Ausstellung zum Herzen zu sehen
Foto: Tim und Ralph Nußbaum

Ab 11 Uhr konnten interessierte Besucher einen Blick hinter die Kulissen von Klinik und Rettungsmedizin mit einer Ausstellung der Helikopter und Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten werfen.

Auf dem Außengelände standen bodengebundene und Luftrettungsmittel zur Besichtigung bereit

Auf dem Außengelände standen bodengebundene und Luftrettungsmittel zur Besichtigung bereit
Foto: Tim und Ralph Nußbaum

Dicht umlagert: der NATO-olivgrüne “SAR 41“ aus Nörvenich und sein Team

Dicht umlagert: der NATO-olivgrüne “SAR 41“ aus Nörvenich und sein Team
Foto: Jörn Fries

Im Laufe des Tages nahmen viele Besucher die Möglichkeit wahr, die NATO-olivgrüne “Huey“ und den gelben “Christoph 10“ ganz aus der Nähe und auch von innen besichtigen zu können. Später landete noch “Sperber 1“ der Polizeihubschrauberstaffel Rheinland-Pfalz aus Winningen auf dem Hubschrauber-Sonderlandeplatz vor dem Klinikum. Durch die immer größer werdende Anzahl von Besuchern waren alle Hubschrauber ständig belagert. Auch wenn die eine oder andere Frage schon diverse Male gestellt worden war, wurde sie von den Besatzungen bzw. anwesenden Stationsmitgliedern immer freundlich beantwortet. Im Hangar informierte die ADAC Luftrettung über ihre Arbeit. Die Rettungsassistenten/HEMS TC der RTH-Crew zeigten an einer Puppe die Möglichkeiten der ersten Hilfe.

Als der Polizei-Hubschrauber “Sperber 1“ landete, stand er sofort im Fokus der zahlreichen Besucher des “Tages der offenen Tür“

Als der Polizei-Hubschrauber “Sperber 1“ landete, stand er sofort im Fokus der zahlreichen Besucher des “Tages der offenen Tür“
Foto: Jörn Fries

Auch die Starts und Landungen von “Christoph 10“ wurden ausgiebig fotografiert

Auch die Starts und Landungen von “Christoph 10“ wurden ausgiebig fotografiert
Foto: Jörn Fries

Bratwurst und Currywurst gingen weg wie warme Semmeln

Bratwurst und Currywurst gingen weg wie warme Semmeln
Foto: Tim und Ralph Nußbaum

Im Krankenhaus und in den Außenbereichen boten sich zahlreiche Möglichkeiten hinter die Kulissen eines Krankenhauses zu schauen. So wurden unter anderem Führungen durch Spezialbereiche der Klinik, wie OP-Saal, Intensivstation, Kreißsaal oder die internistische Funktion, angeboten. Besucher erfuhren, wie ein Knie gespiegelt wird, welche Aufnahmen die Kameras am Endoskop und an Instrumenten zur Schlüsselloch-Chirurgie machen oder wie Narkosen funktionieren. Ein begehbares Herzmodell und ein Darmschnittmodell zeigten, wie diese Organe unseres Körpers gebaut sind und die Experten der Kardiologie und des Darmzentrums erläuterten, wie Erkrankungen geheilt werden können. Besucher erwarteten zudem Angebote für Gesundheits-Checks, wie u.a. Lungenfunktion, Schilddrüsensonographie, Gefäßdoppler und 3D-Ultraschall für Schwangere. Die aktuellen Werte zu Blutdruck, -zucker und Puls konnten in persönlichen Gesundheitspässen erfasst werden. Auch die Technik präsentiert sich an diesem Tag und zeigte Lüftungsanlagen, Blockheizkraftwerk und Notstromaggregat. Spiel & Spaß für Kids boten Hüpfburg, Kinderrallye (bis 9 J.), Jugendrallye (9-14 J.) und das Team der Kinderstation. Abgerundet wurde die tolle Veranstaltung durch ein reichhaltiges kulinarisches Angebot und die Herausgabe einer kleinen broschierten Festschrift.

Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC Luftrettung gGmbH, lobte die Zusammenarbeit aller an der Luftrettung in Wittlich Beteiligten, die BPOL vergaß er dabei

Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC Luftrettung gGmbH, lobte die Zusammenarbeit aller an der Luftrettung in Wittlich Beteiligten, die BPOL vergaß er dabei
Foto: Jörn Fries

Festakt

Um 11 Uhr fand im Kongressaal des St. Elisabeth-Krankenhauses der offizielle Festakt statt. Dr. Günther Merschbächer, Geschäftsführer der cusanus trägersellschaft trier mbh (ct), begrüßte die zahlreichen Gäste, Staatssekretär David Langner aus dem Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demographie Rheinland-Pfalz, Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC Luftrettung gGmbH, Dr. Hans Wendtner, Vorstandsvorsitzender der in Trier ansässigen Hildegard-Stiftung, Landrat Gregor Eibes vom Landkreis Bernkastel-Wittlich und Ulrike Schnell, die Kaufmännische Direktorin des Verbundkrankenhauses Bernkastel/Wittlich sprachen Grußworte, betonten ihren Willen zur weiteren Zusammenarbeit und bedankten sich gegenseitig für die Kooperation in den vergangenen Jahren. Interessant war allerdings, dass keiner der Redner die Bundespolizei bzw. deren Vorgängerorganisation, den Bundesgrenzschutz, erwähnte, die den ZSH-Standort “Christoph 10“ von 1975 bis 1997, also immerhin 22 Jahre, betrieben hatte.

Die Autoren und die rth.info-Redaktion wünschen Stationsleiter Mario Zöllner und der gesamten RTH-Crew des Wittlicher RTH “Christoph 10“ auch rund zwei Jahre nach dem Jubiläum weiterhin “many happy landings“.

 
Autor(en)
Jörn Fries
Tim und Ralph Nußbaum
Wir danken:
Werner Wolfsfellner vom gleichnamigen MedizinVerlag (München) für die Zurverfügungstellung von Archivalien, die Frühphase des Luftrettungszentrums betreffend