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Kempten - die Spezialisten mit der "langen Leine"

05.03.2004

"Christoph 17" aus Kempten...
Foto: Bernhard Rühl

Es war der 15.09.1980, als der Rettungshubschrauber "Christoph 17" mit der MBB BO-105 Delta-Mike-Kilo (D-HDMK) zum ersten Mal um 10:40 Uhr an der Station in Kempten einschwebte. Einen Tag später erfolgte die offizielle Indienststellung des RTH durch den Innenminister. An diesem Tag wird dann auch gleich der erste Einsatz geflogen. Vier Tage später, am 19.09.1980, absolviert Christoph 17 seinen ersten Bergeinsatz; einen Monat später wird das erste Mal mit der Bergwacht-Bereitschaft Oberstdorf zusammen trainiert.

...einsatzbereit am Standort.

...einsatzbereit am Standort.
Foto: Bernhard Rühl

Am 16.10.1980 startet Christoph 17 zu seinem ersten Auslandseinsatz: Dieser führt ihn ins Tannheimer Tal nach Österreich, wo die Besatzung einen abgestürzten Drachenflieger versorgt.
Seit dem 02.12.1980 sind alle Bergwachtangehörigen des Abschnitts Allgäu, die an einem Einsatz mit dem RTH teilnehmen, versichert.
So viel zu den ersten drei, vor allem aber ereignisreichen Monaten des Rettungshubschrauber Christoph 17 aus Kempten, der in dieser Zeit 168 Einsätze absolvierte.

Longline-Halterung

Longline-Halterung
Foto: Bernhard Rühl

Heute gehören die „Spezialisten mit der langen Leine“ zu den einsatzerfahrensten Luftrettern im europäischen alpinen Bereich. Mehr als 30 Einsätze mit dem Bergetau werden jährlich geflogen, die Station war die erste in Deutschland überhaupt, die dieses Rettungsgerät einsetzte. Der Pilot dazu: "Mit dem Bergetau holen wir alles, was mit diesem Gerät maximal möglich ist, heraus". Das Bergetau wurde in den 1990er Jahren seitens der Bundesgrenzschutz-Fliegerstaffel Süd für "Christoph 14" und "Christoph 17" in der Luftrettung etabliert.

Lawinen-Ortungsgerät

Lawinen-Ortungsgerät
Foto: Bernhard Rühl

Grund war, dass nach einer Reduzierung der SAR-Hubschrauber-Standorte (mit Winde) durch die Luftwaffe entsprechende Hilfsfristen nicht mehr garantiert werden konnten. Das Bergetau, auch Fixtau genannt, wird unter der Hubschrauberzelle am Außenlasthaken befestigt. Ein oder zwei Helfer werden dann an das Bergetau gehängt und können so die Einsatzstelle erreichen. Schon jetzt wird am Luftrettungsstandort Kempten übrigens noch eine andere Technik vorgehalten, die in der alpinen Rettung eine große Hilfe sein kann: Ein Lawinen-Ortungsgerät. Es dient dem schnellen Aufspüren von Personen, die infolge eines Lawinenabgangs unter Schneemassen begraben worden sind. Das Gerät wird an derjenigen Halterung am Hubschrauber angebracht, die auch zur Montage eines Außenspiegels geeignet wäre.

Bei schönstem Wetter - Rettung in Süddeutschland

Bei schönstem Wetter - Rettung in Süddeutschland
Foto: Bernhard Rühl

Selbstverständlich ist auch die „normale“ Luftrettung täglich Brot für die Kemptener. Gerade auf den Bundes-, Landes- und Kreisstraßen des Allgäus passieren zu jeder Jahreszeit schwere Unfälle, die den Einsatz des RTH´s erforderlich machen - 1687mal im Jahr 2003 starteten die Oberallgäuer zu einem Einsatz.
Von der angeblich so typischen bayrischen Reserviertheit gegenüber den "Preußen" war bei meinem spontanen Kurzbesuch am 14.01.2004 nichts zu spüren – im Gegenteil:
Der Empfang war überaus freundlich, Pilot und Rettungsassistent nahmen sich viel Zeit für Gespräche und Besichtigung der Maschine, einer BO 105 CBS-5 mit der Kennung D-HGSB.

Anflug auf die Station. Beachte die Schneebretter an den Kufen

Anflug auf die Station. Beachte die Schneebretter an den Kufen
Foto: Bernhard Rühl

Während die Piloten von der Grenzschutzfliegerstaffel Süd gestellt werden, steht der Rettungsassistent in Diensten des BRK Kreisverbandes Oberallgäu, der Arzt kommt von der Unfallklinik Kempten, auf dessen großzügigem Gelände die Station untergebracht ist.

Der nette Empfang – noch ein Grund mehr, noch in diesem Jahr einen weiteren Artikel über das Bergetau-Training der Station folgen zu lassen, das vermutlich im Frühjahr stattfinden wird.

 
Autor(en)
Bernhard Rühl