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Gelernt für's Leben

08.06.2005

"Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur unpassende Kleidung", so lautet ein lakonisches Sprichwort aus dem Norden Deutschlands, wenn der Himmel wieder einmal nicht so porzellanblau aussieht wie gewünscht. Die passende Kleidung ist dann manchmal ein Neoprenanzug. Und genau diesen zogen sich Anfang Juni 2005 Rettungsdienstler von der friesischen Rettungshubschrauber-Station "Christoph 26" über, als es wieder einmal galt, Menschen mit der Rettungswinde aus der Nordsee zu fischen. Nicht, dass es sich um einen realen Einsatz gehandelt hätte - die Rettungswinde kommt selten zum Einsatz. Doch gerade deshalb muss jeder Handgriff sitzen, wenn es denn die Lage erfordert - und die Konsequenz: Am 01. bis 03. Juni fand auch dieses Jahr wieder das planmäßige Sommerwindentraining der Rettungshubschrauber-Station Sanderbusch statt. Trainiert werden sollte vor Allem der Umgang mit der Winde und den unterschiedlichen einsetzbaren Rettungsmitteln.

Einheiten unterschiedlicher Rettungsorganisationen im gemeinsamen Übungseinsatz im Juni 2005

Einheiten unterschiedlicher Rettungsorganisationen im gemeinsamen Übungseinsatz im Juni 2005
Foto: Harald Rieger

Und so gelang es den Crews, noch vor dem Durchzug einer unwetterartigen Gewitterfront am Abend des 03.06.2005 ihr Windentraining zu absolvieren. War auch der in leuchtend gelber Signalfarbe lackierte "Christoph 26" zeitweise von diesigen Regenschauern umgeben, so waren die Wetterbedingungen doch letztlich ausreichend zur Durchführung der angesetzten Übungseinheiten.

Retter am Stahlseil

Retter am Stahlseil
Foto: Harald Rieger

Am vergangenen Mittwoch hatten die Notärzte, welche standardmäßig auf dem Christoph 26 ihren Dienst verrichten, die Möglichkeit, wieder einmal mit dem Rettungsmittel "Winde" zu arbeiten. Dabei wurde speziell die Rettung mit dem Bergesack (einem eigens entwickelten Verfahren, um Patienten liegend in möglichst schonender Form in den Hubschrauber zu ziehen) trainiert. Sowohl das Lagern und Sichern der Patienten im Bergesack, als auch das gemeinsame Hochziehen und Einladen in den Hubschrauber zeigten den Notärzten die Komplexität des Manövers. Besonders muss darauf achtgegeben werden, dass sich der Bergesack unter dem Hubschrauber ganz anders verhält als eine einzelne, hängende Person.

Der Rettungskorb am Windenseil zur Personenrettung aus dem Wasser

Der Rettungskorb am Windenseil zur Personenrettung aus dem Wasser
Foto: Harald Rieger

Am Donnerstag und Freitag wurde dann wie im Ernstfall auf der hohen See geübt. An beiden Tagen gab es einen identischen Übungsablauf, beginnend mit einem etwa einstündigen Briefing, sowie der Crew- und Aufgabenverteilung aller anwesenden Personen. An beiden Tagen waren unterschiedliche Besatzungsmitglieder anwesend, so dass an diesem Training insgesamt fast alle Stationsmitglieder teilnehmen konnten.
Am Vormittag galt es, Personen direkt aus der Nordsee zu retten. Die vermeintlichen "Opfer" waren Taucher, welche von der Berufsfeuerwehr Wilhelmshaven, der DLRG und der "Taucherschule Heinemann" gestellt wurden. Diese wurden von drei Kleinbooten (eines der DRK Wasserwacht und zwei der DLRG) in einer Art "Shuttle" immer wieder vom Land aufs Wasser gebracht.

Im Hafen von Hooksiel

Im Hafen von Hooksiel
Foto: Harald Rieger

Bei Dutzenden von Anflügen wurden an diesen beiden Vormittagen vornehmlich das Retten aus der offenen See trainiert. Dieses Verfahren ist für die gesamte Crew eine große Herausforderung und kann nur durch ein perfektes Zusammenspiel der Besatzung gemeistert werden. Der Pilot, welcher bei Wellengang und Strömung keinen Fixpunkt für den Anflug und das Hovern - also das Halten der Position in der Luft - über der zu rettenden Person finden kann, ist hierbei vollkommen auf den Windenoperator angewiesen. Dieser gibt dem Piloten jederzeit einen Hinweis, in welche Richtung der Hubschrauber zu fliegen ist. Dabei achtet er hauptsächlich auf die im Wasser schwimmende Person sowie auf den Retter am Seil. Wenn sich dieser etwa einen Meter über dem Wasser befindet, signalisiert er dieses über einen ausgestreckten Arm. Insgesamt gab es während der Wasserrettung keine nennenswerten Probleme. Alle "Opfer" konnten mit den beiden Rettungsverfahren Doppelwinch und Rettungskorb professionell aus dem Wasser gerettet und an sicher an Land gebracht werden.

Diffiziles Zusammenspiel mit der Schiffsbesatzung der Polizei

Diffiziles Zusammenspiel mit der Schiffsbesatzung der Polizei
Foto: Harald Rieger

Mittags gab es eine warme Mahlzeit für alle Beteiligten, im direkten Anschluss das Briefing für den Nachmittag. Hier stand das Abwinchen auf diverse Schiffe auf dem Plan. In Zusammenarbeit mit der DGzRS, welche mit zwei Rettungskreuzern vor Ort war, und der Wasserschutzpolizei wurden die drei Rettungsverfahren "Doppelwinch", "Kongsitz" und "Bergesack" trainiert. Hierbei wurde besonders die Kommunikation des Hubschraubers mit den Schiffen auf Schwachstellen überprüft. Bei dem Abwinchen von Bord eines Schiffes ist es für einen erfolgreiches Zusammenspiel besonders wichtig, dass das Schiff während der gesamten Rettungsaktion konstant rückwärts fährt. Der Hubschrauber fliegt standardmäßig gegen den Wind und vom Bug des Schiffes aus an, nach dem Retten der Person driftet dieser seitlich weg, um einer möglichen Berührung mit dem Aufbau des Schiffes aus dem Wege zu gehen.

Die Perspektive des zu Rettenden auf dem Weg nach oben

Die Perspektive des zu Rettenden auf dem Weg nach oben
Foto: Harald Rieger

Und auch bei diesem Übungsabschnitt lief alles reibungslos ab. Beim abschließenden Debriefing wurde sowohl der gute Ausbildungsstand, als auch die problemlose Zusammenarbeit der einzelnen Organisationen gelobt. Während der gesamten Zeit wurde die Stammaschine aus Sanderbusch, die BK 117 "D-HMUZ" für den Übungsablauf eingesetzt. Für die Einsatzbereitschaft des Christoph 26 sorgte die neue BK 117 mit der Kennung "D-HDPS".

 
Autor(en)
HRG
Wir danken:
die mitwirkenden Personen für die freundliche Unterstützung und Verpflegung bei diesem Windentraining