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MBB/ Eurocopter BO 105

Auf einen Blick

Zusammen mit der Bell UH-1D zählt die BO 105 in der Luftrettung zu den "Klassikern" schlechthin. Weltweit wird dieses Hubschraubermuster seit Jahrzehnten als kleiner, wendiger und kostengünstiger Helikopter auch und gerade in der präklinischen Notfallversorgung eingesetzt.

BO 105 als Christoph 33 mit dem Aufkleber "Luftrettung Lausitz"

BO 105 als Christoph 33 mit dem Aufkleber "Luftrettung Lausitz"
Foto: ADAC Presseservice

Entwicklung

Die Entwicklung dieses Hubschraubertypen, der in Deutschland wie kaum ein anderer Luftrettungsgeschichte geschrieben hat, geht bis in das Jahr 1961 zurück. Damals realisierte die Fa. Bölkow ein Projekt für ein neues, konkurrenzfähiges Hubschraubermuster. Dieses sollte vor allem durch seine Zweimotorigkeit, reduzierte Wartungsansprüche, die in damals vergleichsweise großer Höhe drehenden Rotoren und hohe Lebensdauer der einzelnen Bauteile bestechen und seinen Markt finden. Die Rechnung der Firma Bölkow, die später zur MBB (Messerschmidt- Bölkow- Blohm) wurde, ging auf. Die BO 105 etablierte sich schnell – und vor allem nachhaltig.

Die BO 105 hat Luftrettungs-Geschichte geschrieben und viel erlebt: Einsatz für Christoph 31 im Minengürtel Berlins.

Die BO 105 hat Luftrettungs-Geschichte geschrieben und viel erlebt: Einsatz für Christoph 31 im Minengürtel Berlins.
Foto: Johannes Dittrich (Archiv)

Die BO 105 war der Hubschrauber, mit dem die Luftrettung in Deutschland "laufen lernte". In den ersten Jahren wurde fast ausschließlich dieser Hubschraubertyp als RTH in Deutschland eingesetzt. Bereits "Christoph 1", der erste regulär in der Bundesrepublik eingesetzte Rettungshubschrauber, war als BO 105 in Dienst gegangen. Damals eine absolute Neuheit war das gelenklose Rotorsystem. Zunächst war als "Christoph 1" eine BO 105 A eingesetzt worden. Diese Version des "Arbeitspferdes der Rettungsfliegerei" wurde später zur BO 105 C weiterentwickelt, welcher einige Zeit später die Variante CB folgte. Die inzwischen in der Luftrettung der Bundesrepublik am häufigsten eingesetzte Form ist die BO 105 CBS. Diese ist 25 cm länger als ihre Vorgängerin und mit einem kleinen dritten Seitenfenster ausgestattet.

Die alte Version der BO 105 lässt das dritte Seitenfenster noch vermissen. Sie ist 25cm kürzer

Die alte Version der BO 105 lässt das dritte Seitenfenster noch vermissen. Sie ist 25cm kürzer
Foto: Michael Butz (Archiv)

Nach der Übernahme der MBB durch die deutsch-französische Unternehmensgemeinschaft Eurocopter wird die BO 105 wie auch z.B. die BK 117 durch Eurocopter vertrieben.

Neuer Herstellername

Seit dem 8. Januar 2014 tritt das bisherige Unternehmen Eurocopter, eine EADS-Tochter, unter dem neuen Markennamen "Airbus Helicopter" auf. Die Namen der Hubschraubermodelle (z.B. "EC 135") bleiben aber unverändert.

Zwischen Schleswig-Holstein und Bayern war die BO 105 überall in Deutschland im Einsatz

Zwischen Schleswig-Holstein und Bayern war die BO 105 überall in Deutschland im Einsatz
Foto: Michael Butz (Archiv)

Heutige Situation

Die BO 105 flog noch bis Mai 2009 für die DRF in Zwickau - wenn auch in einem neueren Farbkleid, als hier gezeigt

Die BO 105 flog noch bis Mai 2009 für die DRF in Zwickau - wenn auch in einem neueren Farbkleid, als hier gezeigt
Foto: Michael Butz (Archiv)

Mit Stand vom Mai 2009 fliegt die BO 1056 nicht mehr für primäre Rettungsflüge an Luftrettungszentren in Deutschland. Namentlich BMI, ADAC und DRF setzten jahrzehntelang auf dem Sektor der Rettungs- und Zivilschutzhubschrauber voll auf diesen Typ. Mittlerweile wurde er allerorten durch neue Baumuster ersetzt, fast überall war dabei der Nachfolger eine Ec 135.

Sogar als Intensiv-Transporthubschrauber fand der Veteran Verwendung: Noch Mitte der neunziger Jahre flog beispielsweise die ADAC Luftrettung GmbH dieses Muster für Interhospitaltransfers in Hamburg als "Christoph Hansa". Begonnen hatte diese BO 105 ihren Dienstbetrieb in Hamburg noch als sogenannter "Ambulanzhubschrauber".

Einblick in das Innenleben der Kabine einer BO 105 des Katastrophenschutzes

Einblick in das Innenleben der Kabine einer BO 105 des Katastrophenschutzes
Foto: Patrick Permien

Doch in den Jahren nach der Jahrtausendwende wurde der "fliegende VW-Käfer" sukzessive ausgephast. Vor allem als ITH beurteilten viele Notärzte und HEMS-Crew-Members dieses Muster als unzureichend geeignet. Folgende Aspekte wurden immer wieder als störend angemahnt:

  • Die vergleichsweise geringe Zuladekapazität
  • die leistungsschwache Heizung sowie
  • die kleine Kabine.

All diese Faktoren wirkten sich gerade bei Interhospitaltransfers über längere Strecken negativ aus. Mit fortschreitender intensivmedizinischer Entwicklung wurden auch die Gerätschaften, die während der Verlegungsflüge u.U. mitgeführt werden müssen, nicht nur ausgefeilter und qualitativ hochwertiger, sondern auch umfangreicher und u.U. schwerer. Unumstritten ist auch, dass bei so manchem Patiententransport unter ungünstigen Umständen der Start nicht unproblematisch ist, da die Maschine nicht in ausreichendem Maße über entsprechende Leistungsreserven verfügt. Gerade bei beleibteren Patienten kann dies zur Folge haben, dass z.B. Ausrüstungsgegenstände auf dem Flug nicht mitgeführt werden können. Zudem ist eine adäquate Überwachung durch die medizinische Besatzung während der Flugphase oft nur sehr eingeschränkt möglich, dies vor allem aufgrund der nur spärlich vorhandenen Platzreserven.

Letztlich führten diese schwerwiegenden Argumente dazu, dass alle in der bundesdeutschen Luftrettung involvierten Betreiber in den neuen wie auch den alten Bundesländern die BO 105 nicht mehr als Intensivtransport- bzw. Ambulanzhubschrauber einsetzen. Stattdessen wurden größere, modernere Maschinen für diese Zwecke beschafft; in diesem Zusammenhang sei besonders die BK 117 erwähnt.

Unter der Haube stecken zwei Triebwerke, deren Leistung jedoch nicht der höchsten Kategorie der europäischen Luftfahrt-Sicherheitsvorschriften entspricht

Unter der Haube stecken zwei Triebwerke, deren Leistung jedoch nicht der höchsten Kategorie der europäischen Luftfahrt-Sicherheitsvorschriften entspricht
Foto: Patrick Permien

Auf dem Sektor der Primärluftrettung fiel die Entscheidung für eine Ablösung der BO 105 in Deutschland mit der UZmsetzung der neuen Vorschriften der europäischen Luftfahrt, insbesondere der JAR-OPS 3. Basis für die Überlegungen zum Ersetzen des bewährten Hubschraubers durch neuere Muster sind zum einen die oben angeführten Mängel. Hinzu kommt das inzwischen beträchtliche Alter mancher Maschinen. Für den Erhalt der BO 105 für die Primärluftrettung hätten hingegen die sehr geringen äußeren Abmessungen der Maschinen sprechen können, sowie die Tatsache, dass dieser Hubschrauber nach jahrzehntelangem Einsatz mit Sicherheit keinen "Kinderkrankheiten" mehr zum Opfer fallen wird, also technischen Problemen, die auf unzureichenden Erfahrungen mit diesem Helikopter basieren. Die Entscheidungen für die jeweiligen Flottenumstellungen sind jedoch vor Jahren bereits gefallen.

Die DRF schloss in Zwickau die Umstellung von BO 105 auf Ec 135 ab: Im Mai 2009 war es soweit.
Beim Katastrophenschutz ist endlich der Modernisierungsschritt hin zur EC 135 vollzogen. 2008 konnte er abgeschlossen werden.
Die ADAC Luftrettung GmbH hatte es schon 2007 geschafft, auch ihre letzte BO 105 in Senftenberg durch die EC 135 zu ersetzen. Zuvor war dies bereits über Jahre hinweg der letzte ADAC-Standort BO 105 gewesen – und das auch nur aufgrund der örtlichen Baustruktur.

JAR-OPS 3

Auch wenn man übereinkäme, dass die BO 105 weiterhin zum Einsatz kommen solle, so würde dies an den neuen europaweiten Luftfahrtvorschriften scheitern.

Nicht besonders geräumig, aber dafür klein und wendig: Die BO 105

Nicht besonders geräumig, aber dafür klein und wendig: Die BO 105
Foto: DRF

Denn neben vielen anderen Neuerungen bringt die seit Jahren schon in deutsches Recht integrierte Luftfahrtsrichtlinie "JAR-OPS 3 deutsch" auch gesteigerte Ansprüche an die für HEMS-Aufgaben eingesetzten Hubschraubermuster mit sich. Diese Vorschriften werden seit dem 01.10.1998 schrittweise umgesetzt.

Landung im Schneegestöber, hier BO 105 als Christoph 11 in Schwenningen

Landung im Schneegestöber, hier BO 105 als Christoph 11 in Schwenningen
Foto: Patrick Permien

Bis zum 31.12.2009 konnten die Hubschraubertypen, die den Vorschriften der JAR-OPS 3 nicht entsprechen, im Rahmen einer Übergangsfrist auch noch für HEMS-Aufträge genutzt werden. Gemäß den "JAR-OPS 3 deutsch" werden die Hubschraubermuster anhand ihrer Leistungsparameter in sogenannte Flugleistungsklassen eingeteilt. Ab 2010 wird nur noch die höchste Anforderungsklasse, die Flugleistungsklasse 1, für HEMS-Einsätze eingesetzt werden dürfen. In die Flugleistungsklassen 2 und 3 fallen altbewährte Baumuster wie die Bell UH-1D und die BO 105. Auf die umfangreichen Forderungen und Innovationen der JAR-OPS 3 an dieser Stelle einzugehen, die zum Teil sehr heiß diskutiert wurden, wäre sicherlich unangebracht und würde den Rahmen sprengen.

Der großen historischen Bedeutung der BO 105 für die technische Entwicklung der Luftrettung tut es keinen Abbruch, dass der Hubschraubertyp mittlerweile in Deutschland nur noch im Museum die Luftrettung vergangener Tage repräsentiert.

Hauptrotorkopf "System Bölkow" der BO 105

Hauptrotorkopf "System Bölkow" der BO 105
Foto: Patrick Permien

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Stationen an denen dieser Hubschraubertyp fliegt

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