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Redaktionspause

Weil mehrere unserer Mitglieder vorübergehend nicht zur Verfügung stehen, machen wir eine kleine Pause bis Anfang Juni 2018.

Aérospatiale/ Sud Aviation SA 365

Auf einen Blick

Die AS 365 Dauphin ist ein traditionsreiches Hubschrauber- Baumuster französischen Ursprungs. In der deutschen Luftrettung hatte es stets Seltenheitswert. Es existieren verschiedene Versionen, wobei die moderne EC 155 von Airbus Helicopters (vormals Eurocopter) deutlich sichtbar auf der AS 365 N aufbaut.

AS 365 N offshore bei Marseille

AS 365 N offshore bei Marseille
Foto: Pressefoto v. Eurocopter / Jérome Deulin

Entstehungsgeschichte

Die Dauphin aus dem Hause Aérospatiale (heute Airbus Helicopters) war als Nachfolger für die Alouette III geplant. In den französischen Konstruktionsbüros entstand in den späten sechziger Jahren somit ein neuer Hubschrauber in der drei- Tonnen- Klasse mit elegantem Spornradfahrwerk. Das Baumuster reihte sich in der zeitgenössischen Produktpalette des Herstellers zwischen der schon erwähnten Alouette III (bis zu sieben Sitze) und der SA 330 Puma (bis 23 Sitzplätze) ein. Bei der technischen Realisierung orientierte die Aérospatiale sich u.a. an den Grundlagen, die mit der "Gazelle" (SA 341) gelegt worden waren: Relativ früh stand fest, dass ein damals hochmoderner Heckrotor vom Typ Fenestron zum Einbau kommen sollte. Dieser wurde zuvor schon in der Gazelle verwandt.

Der doppelte Triebwerkschacht ist typisch für die SA 365

Der doppelte Triebwerkschacht ist typisch für die SA 365
Foto: Team-Kalli

Der Prototyp der AS 360 erhob sich am 2. Juli 1972 zu seinem Jungfernflug. Gegenüber späteren Serienmaschinen war der Prototyp noch mit einer Turboméca Astazou XVI-Turbine mit 980 Wellen-PS, einer anderen Geometrie der Schnauze und den Rotorblättern der Alouette III ausgestattet.

Rotorkopf der AS 365 N

Rotorkopf der AS 365 N
Foto: Patrick Permien

Inneneinrichtung der Kabine mit medizinischer Ausstattung, hier Christoph Hessen

Inneneinrichtung der Kabine mit medizinischer Ausstattung, hier Christoph Hessen
Foto: Name des Fotografen ist der Redaktion bekannt

Wenige Wochen später stellte der SA 360 drei Geschwindigkeits- Weltrekorde auf:

  • 299 km/h auf einem geschlossenem 100 km- Kurs
  • 312 km/h über 3 Kilometer und
  • 303 km/h über 15 Kilometer.

Im April 1975 verließ dann die erste Serien-Dauphin unter der Bezeichnung SA 360 C die Hallen in Frankreich. Nach 36 Exemplaren stellte man die Produktion jedoch ein, weil kein Absatzmarkt für einen einmotorigen Hubschrauber in dieser Größenordnung vorhanden war. Dennoch versuchte man noch, die einmotorige Version als SA 361 H an das französische Heer zu verkaufen. Diesem war aber die Leistung für einen möglichen Waffeneinsatz zu gering.

Neuere Versionen

Nachdem die einmotorige Version der Dauphin relativ erfolglos blieb, entschied sich der Hersteller, eine verbesserte Version mit zwei Triebwerken auf den Markt zu bringen. Bereits am 24. Januar 1975 flog die zweimotorige Variante zu ersten Mal. Die Triebwerksausstattung bestand aus zwei 680 Wellen-PS starken Turboméca Arriel-Triebwerken. Der Hubschrauber erhielt in dieser Konfiguration die Typenbezeichnung SA-65 C. Rein äußerlich beschränken sich die Unterschiede lediglich auf den größeren Triebwerkskasten und auf die andere Auspuffanlage. Desweiteren erhielten die Serienmaschinen einen Starflex- Hauptrotorkopf (vgl. Ecureuil). Im Gegensatz zur SA-360 fand die SA-365 wesentlich mehr und schneller Abnehmer. Insgesamt 70 Fluggeräte wurden verkauft.

Danach wurde aber auch die Entwicklung der SA 365 C zugunsten der AS 365 N Dauphin 2 aufgegeben. Die Dauphin 2 verfügt über eine komplett neu gestaltete Zelle und besteht zu 90% aus neuen Bauteilen. Ein großer Verkaufserfolg gelang Aérospatiale bei der Bestellung über ein großes Kontingent an HH-65 für die U.S. Coast Guard, dem Standard- SAR- Hubschrauber der USCG für Kurzstreckenflüge. Aus der AS 365 resultierte dann letztendlich auch die EC 155, die sich inzwischen an regem Interesse der Kunden erfreut. Auch die hohen Reise- und Höchstgeschwindigkeiten sowie die hervorragende Wendigkeit der Dauphin-Familie wurde auf die EC 155 übertragen. Bei der AS 365 hat der Kunde die Wahl zwischen dem Standard- Radfahrwerk und einem Kufengestell gehabt. Letzteres war aber eher für die Verwendung von Pop-up-Floats (aufblasbare Schwimmer) vorgesehen.

Christoph Hessen - damals noch "Christoph Reichelsheim" -, gut sichtbar: Die Radarnase

Christoph Hessen - damals noch "Christoph Reichelsheim" -, gut sichtbar: Die Radarnase
Foto: Stefan Porath

Einsatz der SA 365 in der Luftrettung in Deutschland

In Deutschland kommt die SA 360 in 4-facher Ausführung bei der Firma Meravo zu Einsatz, wobei die Maschine mit der Kennung D-HAAL unter dem Vorbesitzer Arcus Air aus Mannheim mit einer "Malteser Hilfsdienst"-Beschriftung einst Intensivverlegungen durchgeführt hat.

Als der Bund mit der Stationierung des ZSH "Christoph 18" in Ochsenfurt nach Beendigung der zweiten Ausbaustufe nicht mehr in der Lage sah, weitere ZSH zu stellen, trat das Niedersächsische Sozialministerium an die Landespolizei mit der Frage heran, ob sie kommissarisch zwei neu zu errichtende RTH-Standorte übernehmen könne.

Die großzügigen Türen ermöglichen ein einfaches Einladen

Die großzügigen Türen ermöglichen ein einfaches Einladen
Foto: Bernhard Rühl

Dabei stand als Zielsetzung des Landes im Vordergrund, eine flächendeckende Versorgung des Landes mit Luftrettungsmitteln zu realisieren. So kam es dazu, dass an der bis dahin polizeilich genutzten SA 365 C2 mit der Kennung "D-HOPQ" kurzerhand der Polizei- Schriftzug entfernt wurde und ein notfallmedizinischer Rüstsatz durch die Schweizer Firma Bucher eingebaut wurde. Bald darauf wurde die SA 365 in dieser Ausführung im DRF-Mitgliedermagazin als europaweit modernster RTH bezeichnet.

Die Maschine kam dann unter dem Rufnamen "Phönix 14" ab dem 21.9.1981 am Kreiskrankenhaus Uelzen zum Einsatz. Die ADAC Luftrettung übernahm die Station Anfang des Jahres 1983 mit einer BO 105 CBS. Damit wurde die SA 365 als Vorläufer des heutigen Rettungshubschraubers "Christoph 19" abgelöst.

Christoph Hessen - damals noch "Christoph Reichelsheim" - startet vom Flugplatz

Christoph Hessen - damals noch "Christoph Reichelsheim" - startet vom Flugplatz
Foto: Stefan Porath

So wurde der Polizeihubschrauber (PHS) mit dem notfallmedizinischen Ausbau zum Städtischen Krankenhaus Wolfenbüttel verlegt, wo er – abermals "Phönix 14" gerufen – vom 15.07.1983 bis zum 1.1.1985 Rettungseinsätze flog. Auch diese Station wurde dann vom ADAC mit einer BO 105 CBS übernommen. Die SA 365 C2 der PHUST wurde nach einem weiteren kurzen Gastspiel am Wolfenbütteler Krankenhaus im September wieder für den regulären polizeilichen Einsatz zurückgerüstet. Der notfallmedizinische Rüstsatz verblieb jedoch bis in die 1990er Jahre hinein im Besitz der Staffel.

Doch damit sollte die Geschichte der SA 365 in der deutschen Luftrettung noch nicht beendet sein. Noch heute setzt die Firma HeliFlight für die ITH der Johanniter Luftrettung mehrere SA 365 ein. Dafür wurde bis 2007 die SA 365 C3 "D-HAAK", c/n 5039, vorgehalten. Die als "Christoph Hessen" fliegende Maschine wurde 1978 gebaut und im Februar 1995 durch die HeliFlight beschafft. 2007 wurde diese dann durch die gebraucht beschaffte AS 365 N mit der Kennung "D-HFHE" ersetzt. Sie ist jüngeren Baujahres; die D-HAAK wurde zum Backup. In den Folgejahren ergab sich ein Ausbau der Aktivitäten der Johanniter Luftrettung. Hierzu wurden weitere Maschinen des Typs AS 365 beschafft, nachdem zwischenzeitlich die Zeit der "Dauphin" in der deutschen Luftrettung bereits besiegelt schien.

Christoph Hessen - damals noch "Christoph Reichelsheim" -, hier die ehemalige Stammmaschine des Typs SA 365 C3

Christoph Hessen - damals noch "Christoph Reichelsheim" -, hier die ehemalige Stammmaschine des Typs SA 365 C3
Foto: Stefan Porath

Die Johanniter Luftrettung fliegt mit den großen Dauphins vornehmlich Sekundäreinsätze. Dabei profitiert die Crew von der geräumigen Kabine und der hohen Reisegeschwindigkeit. Bei den beiden erwähnten Maschinen war/ist die Patiententrage quer zur Flugrichtung in der Kabine untergebracht. Eine optimale Therapie und eine schnelle Verlegung können so in der Interhospitaltransferphase garantiert werden. Kurioserweise war die D-HAAK zuvor der VIP- Shuttle- Hubschrauber des Rumänischen Staatspräsidenten.

In der internationalen Luftrettung

International gesehen hat die zweimotorige Dauphin auch Karriere in der Luftrettung gemacht. Unter anderem setzt der Französische Zivilschutz vier mit Winde und Wetterradar ausgestattete SA-365 C2 in Küstennähe ein. Des Weiteren hatte die Polizei aus dem Australischen Victoria 2 SA 365 C3 für HEMS- Aufgaben im Dienst, sie wurden aber inzwischen aber durch neuere AS 365 N3 ersetzt.

Ausblick

Der Polizeihubschrauber "D-HOPQ" flog zeitweise in Niedersachsen für die Luftrettung

Der Polizeihubschrauber "D-HOPQ" flog zeitweise in Niedersachsen für die Luftrettung
Foto: Olaf Jürgensmeier

Die Polizei Niedersachsen hat ihre Dauphins im Jahr 2016 durch EC 135 abgelöst. Die Fa. HeliFlight wird voraussichtlich noch bis in die 2020er Jahre ihre relativ neuen Varianten der Dauphin für die Johanniter Luftrettung weiterfliegen. Ebenso steht sie noch im Offshore-bereich für werksrettungsdienstliche Versorgung von Windparks bereit. Sobald hier Maschinen einer nachfolgenden Generation beschafft werden, dürfte sich die Dauphin-Ära in der deutschen Luftrettung dem Ende zuneigen. Eine Ausweitung der Flottenbestände der deutschen HEMS- Operatoren um AS 365 N bzw. inzwischen deren Nachfolger EC 155 steht ebenfalls nicht zu erwarten. Gerade in Anbetracht der angestrebten Reduzierung der Typenvielfalt mit dem Ziel der Kostenersparnis im Gesundheitswesen würde das auch unsinnig erscheinen.

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