Ausweitung der Betriebszeiten von “Christoph 77“ auf 24/7 weckt Begehrlichkeiten
12.01.2026
Mainz (RPF) :: Was rth.info am 4. Januar EXKLUSIV vermeldete, wurde am Dreikönigstag (Dienstag, 6. Januar 2026) offiziell: Seit dem 1. Januar 2026 fliegt der am Mainzer Universitätsklinikum stationierte Dual-Use-Hubschrauber “Christoph 77“ wieder rund um die Uhr.
Kann seit der Silvesternacht 2025 wieder rund um die Uhr für Notfalleinsätze und Verlegungsflüge angefordert werden: der an der Mainzer Uniklinik stationierte Dual-Use-Hubschrauber “Christoph 77“
Foto: Tobias Klein
- Anzeige -
Landesinnenminister Michael Ebling (SPD) als Vertreter des Trägers der Luftrettung in Rheinland-Pfalz, Geschäftsführer Frédéric Bruder als Vertreter des Leistungserbringers ADAC Luftrettung GmbH und Andreas Bachmann, Referent Fahrkosten der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, als Vertreter der Kostenträger unterzeichneten im Mainzer Innenministerium öffentlichkeitswirksam und vor einer außergewöhnlich hohen Anzahl an Medienvertretern eine entsprechende Leistungsvereinbarung.
Erfolgreiche Vertragsunterschrift zur Ausweitung der Luftrettung in Rheinland-Pfalz: Innenminister Michael Ebling und Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC Luftrettung
Foto: ADAC Mittelrhein/Mirco Hillmann
Irritierend hierbei: Wie schon beim offiziellen ADAC-Foto ist auch beim SWR der Dritte im Bunde nicht bzw. nur angeschnitten zu sehen, dabei zahlt er als Treuhänder der Versichertengemeinschaft die Zeche
Foto: Screenshot SWR Aktuell Rheinland-Pfalz vom 6. Januar 2026 (Sendung um 19:30 Uhr)
Ebenfalls im Raum – allerdings als Elefant – waren der am Nürburgring stationierte Intensivtransporthubschrauber (ITH) “Air Rescue Nürburgring“ sowie sein hessischer Kollege “Christoph Gießen“. Letzterer rettete bislang buchstäblich Rheinland-Pfalz in der Nacht, ist er doch der nächstgelegene 24/7-Dual-Use-Hubschrauber und zudem nur wenige Flugminuten von der rheinland-pfälzischen Nordost-Grenze zu Hessen entfernt stationiert. Beide Dual-Use-Hubschrauber werden von der Johanniter Luftrettung, einer Einrichtung der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., betrieben, während die fünf Rettungshubschrauber (RTH), die es derzeit in Rheinland-Pfalz gibt, allesamt von der ADAC Luftrettung GmbH sind.
Überragendes Interesse an der Vertragsunterzeichnung – trotz kurzfristiger Einladung
Für die Vertragsunterzeichnung waren im Vorfeld seitens des Innenministeriums Einladungen an die Medienschaffenden verschickt worden, auch der Autor dieses Artikels erhielt eine persönliche Einladung. Leider konnte er dieser aber aus terminlichen Gründen nicht Folge leisten, so dass er auf Rückmeldungen seiner Kolleginnen und Kollegen vor Ort bzw. auf die Presseaussendung der Pressestelle des Ministeriums des Innern und Sport sowie die Agenturmeldungen zurückgreifen musste.
Noch während die Veranstaltung lief (sie begann offiziell um 14:00 Uhr), versandte die Pressestelle des MdI RLP um 14:14 Uhr die dazugehörige Pressemitteilung. Sie wurde zudem auch auf dem Infoportal des Innenministeriums www.mdi.rlp.de online gestellt. Der ADAC-Regionalclub Mittelrhein stellte zeitnah seine bebilderte Meldung auf seiner Website https://adac-mittelrhein.de bzw. auf dem Presseportal des ADAC e. V. https://presse.adac.de online. Zuletzt folgte die ADAC Luftrettung GmbH auf ihrer Luftrettung-Seite https://luftrettung.adac.de. Zur besseren Vergleichbarkeit sind nachstehend alle drei Pressemeldungen aufgeführt.
Ebling: Rheinland-Pfalz weitet Luftrettung aus / „Christoph 77“ ab 1. Januar 2026 rund um die Uhr im Einsatz
Foto: MdI RLP
ADAC Luftrettung in Rheinland-Pfalz: „Christoph 77“ rund um die Uhr im Einsatz
Foto: ADAC MRH
„Christoph 77“ jetzt 24/7 einsatzbereit
Foto: ADAC LR
Dauerhaft 24/7, perspektivisch aber auch an einem anderen Standort möglich
Aufhorschen ließ in den – bis auf die zielgruppenspezifischen Überschriften – nahezu wortgleichen Verlautbarungen folgende Passage: “Der Hubschrauber wird dauerhaft 24/7 zur Verfügung stehen. Perspektivisch kann für den 24/7-Betrieb auch ein anderer Standort in Rheinland-Pfalz in Betracht kommen. Grundlage dafür ist eine fortlaufende Evaluation der Einsatzdaten, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.“
Dass dieser Satz nicht nur Nachfragen sondern Begehrlichkeiten wecken würde, war den Eingeweihten sofort klar. Und so verwundert es kaum, dass im Nachgang zur Veranstaltung die Drähte glühten. Der Landeskorrespondent des “Trierischen Volksfreundes“ suchte noch am Dienstagnachmittag das Gespräch zur oppositionellen CDU-Landtagsfraktion, die die Gelegenheit nutzte, um Landesminister Ebling für sein Engagement zur Verbesserung der rettungsdienstlichen Versorgung der Bevölkerung zu loben (man bedenke, dass Rheinland-Pfalz das einzige Flächenland ist, dass flächendeckend über Telenotärzte verfügt!), aber zugleich darauf hinzuweisen, dass zeitnah auch andere Luftrettungsstationen auf einen 24/7-Betrieb umzustellen seien. Zugleich wurde auf das Krankenhaussterben im Lande verwiesen und die politische Verantwortung erwähnt, die Eblings Ministerkollege Clemens Hoch (ebenfalls SPD) trage. 24/7-Luftrettung könne insbesondere im ländlichen Raum unterstützend tätig werden (https://www.volksfreund.de/region/rheinland-pfalz/rlp-startet-luftrettung-in-der-nacht-nicht-aus-wittlich_aid-141799401).
Und wie sieht es im Süden von Rheinland-Pfalz mit der 24/7-Luftrettung aus?
Der in der Landeshauptstadt Mainz ansässige Südwestrundfunk (SWR) berichtete zunächst recht unkritisch über die Veranstaltung in seinen Rundfunkprogrammen (Radio und Fernsehen) sowie digital, legte zum Wochenende aber nach und wollte von seinem Reporter vor Ort wissen, wie es denn um die Betriebszeiten des “Christoph 66“ stünde, der noch in diesem Jahr seine neue Luftrettungsstation in Dörnbach in der Pfalz beziehen werde (https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/kaiserslautern/rettungshubschrauber-fuer-die-westpfalz-zieht-bald-an-neuen-standort-100.html). Im Radiogespräch antwortete der SWR-Korrespondent wie folgt : “Ob es auch Pläne gibt, dass unser Rettungshubschrauber für die Westpfalz ebenfalls Nachteinsätze fliegen darf, wollte der ADAC nicht beantworten und verwies an das Land. Das Innenministerium ist für die Organisation der Luftrettung in Rheinland-Pfalz zuständig. Es hat auf eine entsprechende SWR-Anfrage bisher aber nicht reagiert.“
Den Ball, den Landesinnenminister Ebling ins Rollen gebracht hat, dürfte somit weiterrollen – und rth.info wird über die weitere Entwicklung berichten.
Erst in Eßweiler – über Nacht in Ludwigshafen –, dann in Imsweiler, in Bälde dauerhaft in Dörnbach: der Dual-Use-Hubschrauber “Christoph 66“ ist seit 2019 schon mehrfach umgezogen
Foto: Jörn Fries
2018/2019 füllte die Johanniter Luftrettung mit ihrem in Sembach stationierten ITH “Air Rescue Pfalz“ die Lücke in der Westpfalz – die Ernte fuhr allerdings der ADAC mit seinem Dual-Use-Hubschrauber “Christoph 66" in Eßweiler ein
Foto: Jörn Fries
Der am Nürburgring stationierte ITH “Air Rescue Nürburgring“ scheint bei den Verantwortlichen nicht zu existieren – dabei flog er im Jahr 2024 über 1.000 Mal, darunter viele lebensrettende Notfalleinsätze
Foto: Jörn Fries
War bis Ende 2025 der einzige “Nachtflieger“ in, für bzw. über Rheinland-Pfalz: der im benachbarten Hessen stationiete Dual-Use-Hubschrauber “Christoph Gießen“
Foto: Tobias Klein
Flog von 1997 bis 2007 schon eimal im 24/7-Modus: der Mainzer ITH “Christoph 77“ (hier die EC 145 ‘D-HLRG* an ihrer Interimsstation)
Foto: Jörn Fries
Dieser Artikel ist dem Kollegen Holger Scholl (1967-2023) gewidmet, mit dem der Autor die wechselhafte Erfolgsgeschichte des ITH “Christoph 77“ seit dessen Anfängen Mitte der 1990erjahre fachjournalistisch begleitete
Foto: Jörn Fries
Autor
- Wir danken für Unterstützung:
- den Pressestellen von MdI RLP und ADAC sowie den Interviewten
- Quelle(n):
- Pressemitteilungen von MdI RLP, ADAC Mittelrhein und ADAC Luftrettung, diverse Agenturmeldungen, Zeitungsartikel und Onlineberichte, zahlreiche Telefonate sowie eigene Recherchen
