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BBK erhält zwei neue Zivilschutz-Hubschrauber vom Typ H135

30.07.2018

Donauwörth (BAY) ::  Am Freitag, den 27.7.2018 wurden im Rahmen einer Übergabezeremonie im Beisein von geladenen Gästen und Medienvertretern zwei fabrikneue Zivilschutz-Hubschrauber (ZSH) vom Typ Airbus Helicopters H135 an den neuen Eigentümer, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK), überreicht. Die beiden neuen Maschinen ergänzen die bestehende Flotte von 16 ZSH der Vorgängerversion EC 135 T2i und werden künftig bei der Bundespolizei-Fliegerstaffel Oberschleißheim beheimatet sein. Von dort aus werden sie zu den gebirgsnahen Standorten von „Christoph 14“ in Traunstein und „Christoph 17“ in Kempten disloziert.

Die neuen ZSH vom Typ H135 verfügen über das Kufengestell mittlerer Höhe.

Die neuen ZSH vom Typ H135 verfügen über das Kufengestell mittlerer Höhe.

Foto: Kai Münzenmayer

Gegenüber den in den Jahren 2006-2008 ausgelieferten Vorgänger-ZSH unterscheiden sich die neuen Maschinen mit der ehemaligen Baureihenbezeichnung EC 135 T3 vor allem durch die Rettungswinde der Firma Goodrich. Sie verfügt über eine Seillänge von 90 Metern und kann bis zu 272 kg Last heben (lesen Sie zu den Hintergründen auch das Interview mit dem Leiter des Bundespolizei-Flugdienstes). Weitere äußerliche Unterscheidungsmerkmale sind die fehlenden Endplatten an den Stabilisatorflossen, der kleinere Tailbumper am Fenestron sowie die für die ZSH und EC 135 der Bundespolizei recht unübliche Verwendung des Kufengestells mittlerer Höhe. Wichtigstes Merkmal der neuen ZSH sind jedoch die verbesserten Leistungsparameter, die unter anderem durch verlängerte Rotorblätter erzielt werden. Dies resultiert in einer um 70 kg erhöhten Abflugmasse der neuen Hubschrauber, was der künftigen Verwendung der neuen ZSH in der Alpenregion besonders zu Gute kommt, wie Airbus Helicopters CEO Dr. Wolfgang Schoder in seinem Grußwort betonte.

v.l.n.r.: Wolfgang Polaschek, Contract Manager H135; Martin Schneider, Programme Manager H135; Dr. Wolfgang Schoder, CEO A.H. Deutschland; Dr. Thomas Herzog, Vize-Präsident BBK; LtdPD Thomas Helbig; PD Carsten Herrmann, Leiter BPOL-Fliegerstaffel OSH

v.l.n.r.: Wolfgang Polaschek, Contract Manager H135; Martin Schneider, Programme Manager H135; Dr. Wolfgang Schoder, CEO A.H. Deutschland; Dr. Thomas Herzog, Vize-Präsident BBK; LtdPD Thomas Helbig; PD Carsten Herrmann, Leiter BPOL-Fliegerstaffel OSH

Foto: Kai Münzenmayer

Dr. Thomas Herzog, Vize-Präsident des BBK, erfreute sich an den neuen ZSH und machte deutlich, dass niemand im Amt bereits nach 10 Jahren mit einem Flottenzuwachs gerechnet habe, aber topographische und klimatische Bedingungen diese Erneuerung notwendig gemacht hätten. Er dankte den Beteiligten in der Industrie und auch der Bundespolizei und dem Beschaffungsamt des Bundesministeriums des Innern für den reibungslosen Beschaffungsvorgang, der im Jahr 2015 mit ersten Zusammenkünften seinen Anfang nahm.

Der Leitende Polizeidirektor Thomas Helbig, Leiter des Bundespolizei-Flugdienstes, knüpft an diesen Dank für die Partnerschaft und das Vertrauen an, denn als die Maschinen in die Produktion eingegliedert wurden, waren sie noch nicht im Haushalt budgetiert. Es würden nicht nur die Standorte Kempten und Traunstein von dieser Neubeschaffung profitieren, auch die anderen ZSH-Standorte und Bundespolizei-Fliegerstaffeln könnten nun über zwei Springermaschinen mehr verfügen, so Helbig weiter. „Wir konnten uns unseren Wunschhubschrauber konfigurieren“ sagt Helbig. Dies zeigt sich auch in der Wahl des „klassischen“ CPDS-Cockpits. Grund hierfür ist die Einheitlichkeit zwischen den übrigen Maschinen in der Flotte. Somit dürften die beiden neuen ZSH mit zu den letzten Maschinen der H135 mit kleinen Bildschirmen gehören, da die Produktion des Musters mittlerweile komplett mit Helionix-System umgestellt ist, wie es aus Airbus-Kreisen hieß.

Gemeinsamer Start zum Fly-Out vom Werksheliport in Donauwörth.

Gemeinsamer Start zum Fly-Out vom Werksheliport in Donauwörth.

Foto: Kai Münzenmayer

Die beiden neuen Maschinen werden die Kennungen D-HZSQ (S/N 1272) und D-HZSR (S/N 1273) tragen und sind wie die vorigen ZSH mit einer medizinischen Ausstattung der Firma Air Ambulance Technology (AAT) versehen. Während der offiziellen Veranstaltung am Airbus-Standort blieb allerdings völlig unerwähnt, dass auch eine weitere Maschine aus dem Altbestand gegenwärtig einen Retrofit zur H135 erhält. Hierbei handelt es sich um die Maschine mit der Kennung D-HZSH (S/N 0506), die ebenfalls zum Bestand der Fliegerstaffel Oberschleißheim gehört. Somit wird die Staffel über insgesamt drei windentaugliche ZSH für die Alpenstandorte verfügen. Im Anschluss an die Veranstaltung wurden beide Maschinen zur Staffel bei München überführt, wo sie zunächst für Ausbildungszwecke genutzt werden, bevor sie im kommenden Herbst bzw. Winter erstmals an den genannten Standorten eingesetzt werden.

Interview mit dem Leiter des Bundespolizei-Flugdienstes, ltd. PD Thomas Helbig

rth.info: „Christoph 14“ und „Christoph 17” leisten seit über 20 Jahren bei Bergrettungseinsätzen zuverlässige Arbeit mit dem Fixtau. Wie kam es zum Paradigmenwechsel?

Helbig: Sehen Sie es so: Der „Kunde“ unserer Operationen, also die Bergwacht, konnte uns davon überzeugen, auch die Winde als Rettungsmittel anzubieten. Im Luftrettungsdienst werden wir keinen Mischflugbetrieb haben. Wenn alle Crewmitglieder fortgebildet sind, wird übergangslos vom Rettungstau auf die Winde gewechselt. Die Maschinen sind nach wie vor Doppellasthakenfähig, dieser wird jedoch nicht mitgeführt. Der Doppellasthaken bleibt für die Verwendung der H135 als Zivilschutz-Hubschrauber ein wesentlicher Bestandteil zur Erfüllung dieser Rolle. Fliegerisch ist und bleibt das Bergetau einfacher als die Winde. Nicht zuletzt war aber auch der Leistungszuwachs bei den neuen Maschinen ausschlaggebend. Mit der „T3“ können wir nun guten Gewissens Winch-Ops im Gebirge durchführen.“

rth.info: Viele Organisationen sehen in ihrem Crew-Concept den Helicopter Hoist-Operator (HHO) als viertes Besatzungsmitglied vor. Sie nicht?

Helbig: Ein viertes Besatzungsmitglied wird es auf der H135 nicht geben. Der HEMS-TC ist gleichzeitig auch HHO. So kann man zwar nicht aus dem Stand heraus winchen, wenn der HHO vorne sitzt, aber eine Zwischenlandung ist sowieso in den meisten Fällen aus einsatztaktischen Gründen geboten, um nicht benötigte Ausrüstung aus dem Hubschrauber zu entfernen. Dies ist zudem in jedem Falle schneller als der Anbau des Bergetaus.

rth.info: Ein Blick in die Historie weist zwei ZSH-Standorte im Norden Deutschlands aus, die einst mit einer Winde ausgestattet waren. Das SAR-Netz der Bundeswehr ist ausgedünnt. Sind weitere ZSH-Standorte mit Windenkapazitäten denkbar?

Helbig: Es werden keine weiteren H135 beschafft. Wenn wir jedoch perspektivisch denken und uns einen ZSH der Zukunft vorstellen, dann wird dieser leistungsstärker als die H135 sein und auch eine Winde mitführen können.

rth.info: Wann werden die neuen Maschinen in Dienst gehen?

Helbig: „Wir rechnen damit im Spätherbst dieses Jahres. Wir lassen uns hier nicht hetzen. Zunächst muss die Ausbildung mit und an der Winde zusammen mit der Bergwacht fortgesetzt werden. Der Gesetzgeber hat hier klare Anforderungen, die wir selbstverständlich einhalten werden.

rth.info: Die hier gezeigte neue Maschine trägt ein HELLAS-System. Aus gut unterrichteten Kreisen hört man gelegentlich, dass die Weiternutzung zur Disposition stünde.

Helbig: HELLAS wird nicht mehr hergestellt, daher gibt es hier und dort Probleme. Unser Ziel ist es jedoch, HELLAS so lange wie möglich weiter zu betreiben. Dabei steht die Verwendung an ZSH im Vordergrund, egal ob jüngere oder ältere Maschinen. Sollte die Industrie uns allerdings einen leistungsfähigen Nachfolger anbieten, der idealerweise auch leichter ist, wären wir als Bundespolizei nicht abgeneigt.

rth.info: Herr Helbig, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Felix Troschier

Am gleichen Tag wurden die Maschinen zur BPOLFLS OSH überführt.

Am gleichen Tag wurden die Maschinen zur BPOLFLS OSH überführt.

Foto: Kai Münzenmayer

Autor(en)
FTR
MST
Wir danken für Unterstützung:
Kai Münzenmayer

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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