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Ulmer Flugrettungssymposium ermöglichte internationalen Austausch

01.10.2017

Ulm (BWÜ) ::  Auf Einladung des Ulmer Bundeswehrkrankenhauses (BwK) und von traumteam e. V. haben sich am Freitag, den 29. September 2017 mehr als 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie namhafte Expertinnen und Experten aus ganz Europa im Ulmer Stadthaus zum 3. Mitteleuropäischen Flugrettungssymposium versammelt, um aktuelle Entwicklungen in der Luftrettung zu diskutieren (rth.info berichtete vorab).

Am 29. September 2017 fand im Ulmer Stadthaus das 3. Mitteleuropäische Flugrettungssymposium statt

Am 29. September 2017 fand im Ulmer Stadthaus das 3. Mitteleuropäische Flugrettungssymposium statt

Foto: Sylvi Thierbach

Polizei und Rettungsdienst müssen künftig noch enger miteinander arbeiten (hier eine Aufnahme vom Bozner Markt 2017 in Mittenwald)

Polizei und Rettungsdienst müssen künftig noch enger miteinander arbeiten (hier eine Aufnahme vom Bozner Markt 2017 in Mittenwald)

Foto: Jörn Fries

Taktische Notfallmedizin

In der ersten Sitzung unter der Leitung von Marc Kaufmann (Ulm) und Matthias Ruppert (München) wurden Aspekte der „Taktischen Notfallmedizin“ sowohl bei terroristischer Bedrohung als auch bei Einsätzen in schwierigen oder abgelegenen Gebieten besprochen.

Bei Einsätzen in schwierigen oder abgelegenen Gebieten kommt ein Helikopter mit Rettungswinde zum Einsatz (hier der ITH “Christoph Murnau“ im August 2017)

Bei Einsätzen in schwierigen oder abgelegenen Gebieten kommt ein Helikopter mit Rettungswinde zum Einsatz (hier der ITH “Christoph Murnau“ im August 2017)

Foto: Jörn Fries

Besonders gefährdet scheinen in Zeiten des Terrors beliebte Volksfeste (hier einer der verbarrikadierten Eingänge zum Reinholdi-Markt im Lagenser Ortsteil Pottenhausen am 1. Oktober 2017)

Besonders gefährdet scheinen in Zeiten des Terrors beliebte Volksfeste (hier einer der verbarrikadierten Eingänge zum Reinholdi-Markt im Lagenser Ortsteil Pottenhausen am 1. Oktober 2017)

Foto: Jörn Fries

So erläuterte Florent Josse (Ulm) die Grundzüge der taktischen Medizin und Björn Hossfeld (ebenfalls Ulm) zeigte auf, dass Rettungshubschrauber bei so genannten bedrohlichen Lagen am ehesten zur weiträumigen Entlastung der Krankenhäuser beitragen können. Dazu müssten sie zwar frühzeitig alarmiert werden, sollten bei Entspannung der Lage aber auch zeitgerecht wieder für andere Aufgaben freigegeben werden.

Beim diesjährigen Libori-Fest in Paderborn wurden die Sanitätsdienste stark aufgerüstet (hier eine Unfallhilfsstelle der Malteser)

Beim diesjährigen Libori-Fest in Paderborn wurden die Sanitätsdienste stark aufgerüstet (hier eine Unfallhilfsstelle der Malteser)

Foto: Jörn Fries

Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre das Flugrettungssymposium nicht durchführbar gewesen

Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre das Flugrettungssymposium nicht durchführbar gewesen

Foto: Sylvi Thierbach

Michael Lehmann (Basel) zeigte mit eindrucksvollen Bildern, wie die REGA sich mit Material und Ausbildung auf taktische Entscheidungen in der alpinen Rettung vorbereitet. Schließlich konnte Markus Stuhr (Hamburg) berichten, welche Bedeutung der Einsatz von Hubschraubern bei Verletzungen in den Offshore-Windparks weit vor den deutschen Küsten hat.

Traumamanagement in HEMS

Die zweite, englischsprachige Sitzung unter Moderation von Hans-Morton Lossius (Stavanger/Norwegen) und Lorenz Lampl (Ulm) befasste sich mit aktuellen Aspekten der Traumaversorgung. So verdeutlichte Co-Moderator Lossius zunächst, dass man sehr wohl in der Lage sei, die Intensivmedizin noch weiter in die prähospitale Phase zu verlagern, wenn man die notfallmedizinischen Teams entsprechend ausbilden würde; die Ausrüstung dazu sei in den letzten Jahren immer moderner, kleiner und transportabler geworden. Als Beispiel nannte er die Notfall-Sonografie und ECMO-Transporte.

Die DRF-Station “Christoph Regensburg“ führt bereits seit Jahren ECMO-Transporte durch

Die DRF-Station “Christoph Regensburg“ führt bereits seit Jahren ECMO-Transporte durch

Foto: Mario Stelzer

Ingeborg Bretschneider (Ulm) berichtete anschließend über erste Ergebnisse der noch laufenden PREDICT-Studie, mit der am ADAC-Luftrettungsstützpunkt “Christoph 22“ am BwK Ulm bereits prähospital Daten zur Gerinnung von Traumapatienten erhoben werden. Anne Weaver (London) berichtete über die langjährigen Erfahrungen von Londons Notärzten mit der prähospitalen Gabe von Blutprodukten. Zum Abschluss dieser Sitzung zeigte Wolfgang Voelckel (Salzburg) auf, wie der schwere Traumapatient frühzeitig zu identifizieren sei.

Den beiden vormittäglichen Sitzungen schloss sich eine rund einstündige Pause an, in der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit hatten, sich in der umfangreichen Industrieausstellung über neue und auch über bereits eingesetzte, bewährte Produkte zu informieren. Das Catering bot Raum für persönliche Gespräche und intensiven Erfahrungsaustausch.

HEMS 24/7

Die dritte, nachmittägliche Sitzung widmete sich schließlich dem zurzeit nicht nur in Baden-Württemberg heiß diskutierten Thema “Nachtflug“. Moderiert von Kathleen Adler (Stuttgart) und Jörg Braun (Filderstadt) berichteten Stephen Sollid (Drobak) von der Norsk Luftambulanse, Roland Albrecht (Zürich) von der REGA und Christian Balta (München) von der ADAC Luftrettung über die Erfahrungen, zukünftige Projekte und die Ausbildung zum Nachtflug, während Stephan Brückner (München) vom Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement (INM) zeigen konnte, dass nachts die gleichen Patienten von der Luftrettung profitieren können wie am Tag.

Muss zurzeit eine Nachtpause einlegen: der in Dinkelsbühl-Sinbronn stationierte RTH “Christoph 65“ (hier eine Aufnahme aus dem August 2017)

Muss zurzeit eine Nachtpause einlegen: der in Dinkelsbühl-Sinbronn stationierte RTH “Christoph 65“ (hier eine Aufnahme aus dem August 2017)

Foto: Jörn Fries

Der Clou: Alle Vorträge wurden aufgezeichnet und werden im Laufe der nächsten Wochen auf www.traumateam.de online verfügbar sein.

Am Rande der Veranstaltung wurde Professor Matthias Helm (Ulm) vom Südwestrundfunk (SWR) interviewt. Im Gespräch mit dem SWR-Radiomoderator forderte Helm die Landespolitik auf, den Weg für eine Ausweitung der Luftrettung in die Nacht auch am Standort Ulm zu bereiten. Zugleich kündigte Helm an, dass schon in Bälde die dort eingesetzte BK 117 durch eine hochmoderne H145 ersetzt werde. Neben einem Mehr an Sicherheit gebe es dann auch mehr Platz für die Crew. Man könnte dann endlich regelhaft einen Praktikanten mitnehmen (siehe Weblink im Kontextbereich dieser News).

Save The Date

Das nächste, dann 4. Mitteleuropäische Flugrettungssymposium wird am Samstag, den 29. September 2018 im österreichischen Salzburg stattfinden. Zeitnah werden wir auf www.rth.info das Veranstaltungsprogramm veröffentlichen.

Nachrichten zu diesem Thema im Archiv

Autor(en)
Jörn Fries
Wir danken für Unterstützung:
Björn Hossfeld vom traumateam e. V. (Textvorlage) und Sylvi Thierbach (Fotos)

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Über rth.info und unser Themenspektrum

Wir vom Nachrichtenmagazin rth.info berichten ehrenamtlich über Rettungshubschrauber, also notfallmedizinisch ausgerüstete und besetzte Helikopter, die im Rettungsdienst eingesetzt werden. Hubschrauber sind wertvoll als Rettungsmittel, da sie schnell, wendig und unabhängig vom Straßennetz sind. Ebenso dienen sie zum eiligen Transfer von Intensivpatienten zwischen Kliniken.

Für die Luftrettung besteht ein dichtes Standortnetz – sowohl von Rettungshubschraubern, als auch von Intensivtransport-Hubschraubern für den Interhospitaltransfer (siehe unsere Standortkarte). Die Standorte werden von staatlichen und nichtstaatlichen Betreibern unterhalten. Die ADAC Luftrettung stellt die meisten zivilen Rettungshubschrauber in Deutschland. Die DRF Luftrettung betreibt auch besonders viele Luftrettungszentren in Deutschland. Ihr Vorgänger war die Deutsche Rettungsflugwacht e.V. – bis zum Wechsel von Name und Rechtsform (2008). Weitere wichtige Betreiber, darunter das Bundesministerium des Innern mit seinen Zivilschutzhubschraubern, stellen wir hier vor.

Hubschrauber ergänzen den Rettungsdienst am Boden in medizinischen Notlagen. Sie sollen nicht den Bodenrettungsdienst ersetzen, da Rettungshubschrauber nicht allwetterfähig sind. Luftretter unterscheiden mehrere Einsatzarten. Die wichtigsten sind primäre Notfalleinsätze an einem Einsatzort und sekundäre Patiententransporte von einer Klinik zur anderen. In der Luftrettung kommt komplexe notfallmedizinische Technik zum Einsatz, die u.a. Anaesthesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie abdeckt.

"Helicopter Emergency Medical Services", kurz HEMS, ist die englische Bezeichnung für Luftrettungsdienst. Der Assistent des Notarztes wird daher als HEMS TC bzw. HEMS Crew Member bezeichnet. Zahlreiche Piloten verdienen in der Luftrettung ihren Lebensunterhalt – für viele Fans ein Traumberuf. Die Betreiber setzen viele Flugstunden und Erfahrung voraus.

Der aktuell bedeutsamste europäische Hubschrauberhersteller ist Airbus Helicopters mit seinen Baumustern H135, H145, und weiteren. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell hat mit den Baumustern Bell 212, Bell 222, Bell 412, die Luftrettung mit geprägt, aber seit ca. 2010 Marktanteile an Airbus Helicopters verloren. Beschreibungen weiterer Hubschrauber-Hersteller finden Sie in unseren Typentexten.

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