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Projekt TEMPiS – Flying Interventionalists gestartet

28.02.2018

München (BAY) ::  Seit dem 1. Februar 2018 ist am Heliport Ottobrunn (EDMR) ein ganz besonderer “Notfall-Hubschrauber“ stationiert. Im Rahmen eines Forschungsprojekts wird dieser an 26 Wochen im Jahr zur Verfügung stehen, um ein Team von Neuroradiologen zu Schlaganfallpatienten zu bringen.

Hinter der langen Bezeichnung „Telemedizinisches Projekt zur integrierten Schlaganfallversorgung in der Region Süd-Ost-Bayern“ (kurz TEMPiS) steckt ein 2003 ins Leben gerufenes Schlaganfall-Netzwerk zwischen Kliniken in Südostbayern. Mit rund 270.000 betroffenen Patienten pro Jahr ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Um die Therapie auch den kleineren Kliniken auf dem Land zugänglich zu machen, schlossen sich das Städtische Klinikum München Harlaching und die Universitätsklinik Regensburg mit weiteren 21 Krankenhäusern und Kliniken zu einem Netzwerk zusammen. Hierbei werden Patienten mit einem akuten Schlaganfall über eine Videokonferenz mithilfe der Neurologen in den Zentren untersucht und anschließend das weitere Vorgehen festgelegt. Entscheidet man sich für eine Behandlung vor Ort, wird das Blutgerinnsel im betroffenen Gefäß meist durch eine sogenannte Lysetherapie medikamentös aufgelöst. Ist eine mechanische Entfernung (Thrombektomie) notwendig, musste der Patient bislang schnellstmöglich in eines der Schlaganfallzentren verlegt werden.

Um die Versorgung weiter zu verbessern, gab es letztes Jahr seitens des Städtischen Klinikums München GmbH (StKM) eine Ausschreibung zur Durchführung von Hubschrauberflügen im Rahmen des Forschungsprojekts „Flying Interventionalists“. Hierbei soll auf eine zeitraubende Verlegung des Patienten verzichtet werden und ein Team spezialisierter Neuroradiologen aus den beiden Münchener Kliniken Harlaching bzw. Rechts der Isar direkt per Hubschrauber zum Patienten gebracht werden. Dieses Bereitschaftsteam ist bereits online in die Diagnose eingebunden und berät, ob der Patient einen Benefit durch eine Thrombektomie vor Ort hat oder ggf. verlegt werden muss. Im erstgenannten Fall verspricht man sich eine Zeitersparnis von über 100 Minuten.

Den Zuschlag für die Durchführung der Flüge haben die HTM Helicopter Travel Munich GmbH mit Sitz in Taufkirchen und die ADAC Luftrettung gGmbH bekommen. Erstere wird das Winterhalbjahr (November bis April), die ADAC Luftrettung die Sommermonate (Mai bis Oktober) betreuen. Es steht jeweils ein Hubschrauber vom Typ EC 135 inklusive Pilot und HEMS TC bereit.

Premierenflug: Die EC 135 mit der Kennung D-HCDL am 15. Februar 2018 beim Start vom Klinikum Rechts der Isar in Richtung Ebersberg

Premierenflug: Die EC 135 mit der Kennung D-HCDL am 15. Februar 2018 beim Start vom Klinikum Rechts der Isar in Richtung Ebersberg

Foto: Klinikum Rechts der Isar

Auf Seiten von HTM ist der Hubschrauber am Heliport (EDMR) in Ottobrunn nahe München stationiert. Der Flugbetrieb mit der ADAC Luftrettung wird ab dem Klinikum im Münchener Stadtteil Harlaching erfolgen, welches gleichzeitig auch Standort des Rettungshubschraubers “Christoph 1“ ist.

Die EC 135 von HTM ist am Heliport (EDMR) in Ottobrunn nahe München stationiert

Die EC 135 von HTM ist am Heliport (EDMR) in Ottobrunn nahe München stationiert

Foto: HTM Helicopters

Mit dem Einsatzhubschrauber soll zunächst an 26 ausgewählten Wochen im Jahr von 8:00 bis 22:00 Uhr das Neuroradiologen-Team zum Patienten gebracht werden, welcher sich in einer der Kliniken aus dem TEMPiS-Netzwerk befindet. Anschließend wird der Patient untersucht, behandelt und verbleibt nach Abschluss in der Klinik. In der anderen Woche, in der kein TEMPiS-Hubschrauber bereit steht, soll der Patient konventionell in ein Schlaganfall-Zentrum verlegt werden. Hierdurch soll belegt werden, dass die schnelle Behandlung vor Ort effektiver ist als eine Verlegung des Patienten in das Schlaganfall-Zentrum.

Der erste Einsatz der Flying Interventionalists fand am 15. Februar statt, bei dem ein Team inklusive Spezialausrüstung vom Klinikum Rechts der Isar nach Ebersberg (Landkreis Ebersberg) geflogen wurde. Hierfür eingesetzt wurde die EC 135 mit der Kennung D-HCDL, welche auf den Türen auch eigens das TEMPiS-Logo trägt.

Die EC 135 von HTM mit der Kennung D-HCDL trägt auf den Türen auch eigens das TEMPiS-Logo

Die EC 135 von HTM mit der Kennung D-HCDL trägt auf den Türen auch eigens das TEMPiS-Logo

Foto: HTM Helicopters

Das Projekt wird zunächst auf die Dauer von drei Jahren durch die bayerischen Krankenkassen finanziert. Je nach Ergebnis der Studie wird sowohl eine Übernahme in die Regelversorgung als auch ein vorzeitiger Abbruch erwogen.

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Autor(en)
Tobias Klein

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