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Johanniter Luftrettung stellt zwei weitere ITH in Dienst

21.03.2016

Gießen (HES) ::  Die seit Januar 2016 in der Lahnstraße 3a in Gießen (Landkreis Gießen/Hessen) ansässige Johanniter Luftrettung wird in den kommenden Wochen zwei weitere Intensivtransporthubschrauber (ITH) in Dienst stellen: Am 1. April geht am Verkehrslandeplatz Loemühle in der Gemarkung der Stadt Marl (Kreis Recklinghausen/NRW) der ITH “Christoph Bochum“ (JUH-intern als “Christoph 93“ bezeichnet) und vsl. am 1. Mai in Adenau (Kreis Ahrweiler/Rheinland-Pfalz) der offiziell noch namenlose ITH am Nürburgring (JUH-intern “Christoph 94“) in Dienst. Dies sagte am vergangenen Freitag (18. März) Günther Lohre, seit 1. Januar 2016 Geschäftsführer der Johanniter Luftrettung auf Anfrage von rth.info.

Die Intensivtransporthubschrauber (ITH) der Johanniter Luftrettung fliegen schon jetzt auch außerhalb Hessens und Mecklenburg-Vorpommerns - 24 Stunden am Tag im “Dienst am Nächsten“ (hier eine AS 365 N3 im Saarland)

Die Intensivtransporthubschrauber (ITH) der Johanniter Luftrettung fliegen schon jetzt auch außerhalb Hessens und Mecklenburg-Vorpommerns - 24 Stunden am Tag im “Dienst am Nächsten“ (hier eine AS 365 N3 im Saarland)
Foto: Tobias Klein

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Lohre bestätigte damit die bereits vor Monaten begonnenen Recherchen von rth.info. Angefangen hatten diese im Sommer 2015, als das in NRW-Luftrettungskreisen gestreute Gerücht aufkam, demnächst würde in Bochum ein ITH stationiert werden. Als dann Ende 2015 mehrere Johanniter-Regionalverbände per Stellenanzeige nach Rettungsassistenten und Notfallsanitätern mit Intensivtransport-Erfahrung suchten, konkretisierten sich die Hinweise auf die bevorstehende Stationierung zumindest eines weiteren ITHs in Nordrhein-Westfalen. Und dass mit Günther Lohre ein altgedienter Johanniter aus NRW seit Januar die Geschicke der Johanniter Luftrettung als neue Dachmarke der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. (JUH) leitet, zu dessen Verdiensten der Aufbau und Betrieb des Ambulanzflugdienstes in Nordrhein-Westfalen zählen, ließen weiter aufhorchen. Zudem wurde im vergangenen Jahr am Nürburgring ein ITH der Johanniter Luftrettung zur notfallmedizinischen Absicherung von Rennveranstaltungen stationiert, der in Rennpausen unter anderem auch bei Großveranstaltungen auf der Loreley (gelegen bei St. Goarshausen im Rhein-Lahn-Kreis/Rheinland-Pfalz) als Rettungshubschrauber (RTH) eingesetzt wurde. In beiden Fällen war der RTH als “Christoph Nürburgring“ bei den regionalen Integierten Leitstellen angemeldet und kam auch zum Einsatz außerhalb des Veranstaltungsgeländes.

Von der Homebase am Verkehrslandeplatz Reichelsheim in der Wetterau aus starten die ITHs der Johanniter Luftrettung zu ihren Einsätzen (hier der ITH “Christoph Mittelhessen“ im Juli 2015 im Landeanflug)

Von der Homebase am Verkehrslandeplatz Reichelsheim in der Wetterau aus starten die ITHs der Johanniter Luftrettung zu ihren Einsätzen (hier der ITH “Christoph Mittelhessen“ im Juli 2015 im Landeanflug)
Foto: Jörn Fries

Intensive Recherchen

rth.info führte erstmals im Januar 2016 Gespräche mit Behörden- und Klinikvertretern und stellte zunächst den zuständigen Pressestellen in NRW Fragen zu der bevorstehenden Etablierung eines weiteren ITH-Systems im bevölkerungsreichsten Bundesland. Die Stabsstelle Unternehmenskommunikation des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil gGmbH in Bochum bestätigte am 16. Februar lediglich, dass “[wir a]ktuell [...] neue Formen der Kooperation des Bergmannsheil mit Luftrettungsdienstleistern [prüfen], um die Transportmöglichkeiten für intensivmedizinisch zu versorgende Patienten im Sekundärverlegungsbereich zu optimieren.“

Am Knappschaftskrankenhaus in Bochum-Langendreer (wie das Bergmannsheil in Bochum trägt es den Titel “Universitätsklinikum“) starten und landen regelmäßig RTH und ITH (hier der verwaiste Sonderlandeplatz in der Nähe der Notaufnahme)

Am Knappschaftskrankenhaus in Bochum-Langendreer (wie das Bergmannsheil in Bochum trägt es den Titel “Universitätsklinikum“) starten und landen regelmäßig RTH und ITH (hier der verwaiste Sonderlandeplatz in der Nähe der Notaufnahme)
Foto: Jörn Fries

Allerdings bestätigte die Bezirksregierung in Münster am gleichen Tage per E-Mail, dass “der Antrag auf den Betrieb eines sogenannten Intensivverlegesystems innerhalb des Klinikverbundes rund um das Bergmannsheil [...] von der Johanniter Unfallhilfe e.V. [sic!] hier eingereicht und mit Datum vom 19. Januar 2016 durch mein Dezernat für Gefahrenabwehr positiv beschieden [wurde]. Im Rahmen dieses Verfahrens hat mein Dezernat für Luftverkehr die Stationierung des ITH am Verkehrslandeplatz Marl-Loemühle genehmigt.“

Am Verkehrslandeplatz Loemühle in Marl (Kreis Recklinghausen) ...

Am Verkehrslandeplatz Loemühle in Marl (Kreis Recklinghausen) ...
Foto: Jörn Fries

... steht ab dem 1. April 2016 ein weiterer ITH der Johanniter Luftrettung ...

... steht ab dem 1. April 2016 ein weiterer ITH der Johanniter Luftrettung ...
Foto: Jörn Fries

... rund um die Uhr für (luftgebundene) Interhospitaltransporte und im Bedarfsfall für Rettungsflüge zur Verfügung (alle drei Aufnahmen stammen vom 12. März 2016)

... rund um die Uhr für (luftgebundene) Interhospitaltransporte und im Bedarfsfall für Rettungsflüge zur Verfügung (alle drei Aufnahmen stammen vom 12. März 2016)
Foto: Jörn Fries

Der Verkehrslandeplatz Loemühle in Marl verdankt seine Existenz einem “Flying Dentist“, wie dieser Gedenkstein enthüllt (Aufnahme ebenfalls vom 12. März 2016))

Der Verkehrslandeplatz Loemühle in Marl verdankt seine Existenz einem “Flying Dentist“, wie dieser Gedenkstein enthüllt (Aufnahme ebenfalls vom 12. März 2016))
Foto: Jörn Fries

Dort geht bereits am Freitag, den 1. April – also in rund zehn Tagen – der ITH “Christoph Bochum“ alias “Christoph 93“ in Dienst. Der ITH wird 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche vorgehalten. Entsprechende Verträge mit dem Verkehrslandeplatz wurden Anfang März unterschrieben, eine Halle zur Unterbringung des ITH angemietet. Als Standortmaschine wird vsl. die D-HFOG zum Einsatz kommen, eine der jüngst angeschafften AS 365 N3 der Firma HeliFlight aus Reichelsheim. Wie Lohre gegenüber der lokalen “Marler Zeitung“ sagte, rechnet er damit, dass der dort stationierte ITH tagtäglich zu zwei, drei Einsätzen starten und landen wird, sich die Lärmbeeinträchtigung der Bevölkerung also im Rahmen des Üblichen halten werde. Dies dürfte mit ein Grund gewesen sein, weshalb Johanniter Luftrettung und Bergmannsheil auf weitergehende Pläne verzichteten, nämlich direkt am Bergmannnsheil ein Luftrettungszentrum einzurichten. Hierzu von rth.info befragt, sagte Robin Jopp von der Stabsstelle Unternehmenskommunikation des Bergmannsheil: “Ein Luftrettungszentrum auf dem Gelände des Bergmannsheil, wie von Ihnen beschrieben, ist derzeit nicht geplant.“

Hier ist die für Marl-Loemühle vorgesehene D-HFOG noch als Dual-Use-ITH “Christoph Gießen“ zu sehen (Aufnahme stammt aus dem Juli 2015)

Hier ist die für Marl-Loemühle vorgesehene D-HFOG noch als Dual-Use-ITH “Christoph Gießen“ zu sehen (Aufnahme stammt aus dem Juli 2015)
Foto: Jörn Fries

Auf dem Gelände des vor einigen Jahren von der SPD-geführten rheinland-pfälzischen Landesregierung privatisierten Nürburgrings hätte ebenfalls Anfang April ein weiterer ITH seinen Betrieb aufnehmen sollen. Doch die Landtagswahlen am 13. März und die Neubesetzung des Geschäftsführerpostens der Betreiber-Gesellschaft, der Capricorn Nürburgring GmbH, führten zu der Verzögerung um vsl. einen Monat. Der Leiter der Unternehmenskommunikation von Capricorn, Uwe Baldes, wollte am 18. Februar lediglich “[...] bestätigen, dass wir die Zusammenarbeit mit der Johanniter Luftrettung fortsetzen wollen. Dazu bedarf es entsprechender behördlicher Genehmigungen.“ Sobald alle Genehmigungen vorlägen, wolle man gerne auf die Anfrage von rth.info zurückkommen.

Und auch der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Rheinland-Pfalz wollte sich zu der dauerhaften Stationierung eines ITHs der Johanniter Luftrettung auf dem Nürburgring dezidiert nicht näher äußern. Am 19. Februar hieß es dazu lediglich: “[Z]u der geplanten Stationierung am Nürburgring können wir keine Auskunft geben, da ein entsprechendes Verfahren bei uns nicht anhängig ist.“. Man solle sich an das Ministerium für Inneres, Sport und Infrastruktur (ISIM) in Mainz als die für das Rettungswesen zuständige Genehmigungsbehörde wenden. Von dort erhielt rth.info am 23. Februar folgende Auskunft: “[D]ie JUH Luftrettung hat uns mitgeteilt, dass [s]ie einen Hubschrauber am Nürburgring zur Durchführung innerklinischer Transporte stationieren möchte. Da innerklinische Transporte außerhalb des Zuständigkeitsbereiches des Rettungsdienstgesetzes stattfinden, braucht die JUH Luftrettung hierzu auch keine Genehmigung der Rettungsdienstbehörde. Die Auskunft des LBM trifft ebenfalls zu, es liegen dem LBM weder Anfrage noch Antrag vor.“ Fakt ist, dass der Johanniter-Luftrettung-Chef kürzlich seinen Antrittsbesuch beim neuen Capricorn-Geschäftsführer machte und die Verträge unter Dach und Fach bringen konnte. Welcher “Dauphin“ in Adenau stationiert sein wird, das steht derzeit noch nicht fest. Aber im Pool von Heli-Flight sind ausreichend Maschinen des Helikoptertyps AS 365 N3 vorhanden, so dass auch ein rotierendes/rollierendes System in Frage kommen könnte.

In Reichelsheim in der Wetterau ist auch die D-HJUH beheimatet (hier eine Aufnahme aus dem Juli 2015)

In Reichelsheim in der Wetterau ist auch die D-HJUH beheimatet (hier eine Aufnahme aus dem Juli 2015)
Foto: Jörn Fries

Im Bedarfsfall können die ITH der Johanniter Luftrettung von den örtlichen Leitstellen auch als primäres Luftrettungsmittel angefordert werden (hier der ehemalige ITH “Christoph Rhein-Main“ im Landeanflug auf einen Übungs-Notfallort)

Im Bedarfsfall können die ITH der Johanniter Luftrettung von den örtlichen Leitstellen auch als primäres Luftrettungsmittel angefordert werden (hier der ehemalige ITH “Christoph Rhein-Main“ im Landeanflug auf einen Übungs-Notfallort)
Foto: Jörn Fries

Für eilige Transporte zwischen ihren Luftrettungszentren setzt die Johanniter Luftrettung unter anderem einen Ford Kuga und (hier zu sehen) einen Ford Transit Courier ein (Aufnahme aus dem Juli 2015)

Für eilige Transporte zwischen ihren Luftrettungszentren setzt die Johanniter Luftrettung unter anderem einen Ford Kuga und (hier zu sehen) einen Ford Transit Courier ein (Aufnahme aus dem Juli 2015)
Foto: Jörn Fries

Luftgebundener Interhospitaltransfer (IHT)/Intensivtransport mit Hubschraubern (ITH)

Das von der Johanniter Luftrettung aus der Taufe gehobene IHT-/ITH-System basiert auf folgenden Säulen:

  • 1. Die ITHs dienen in erster Linie dem Interhospitaltransfer (IHT), das heißt dem innerklinischen Transport bzw. dem Transport von Klinik zu Klinik von schwerst verletzten oder erkrankten Patienten. Da diese Transporte nicht durch Beiträge der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) refinanziert werden, sondern durch die Kliniken selbst (“DRG-Pauschalen“), agieren sie außerhalb des Zuständigkeitsbereiches der Rettungsdienstgesetze der einzelnen Bundesländer.
  • 2. Die ITHs werden nur dann primär bzw. postprimär eingesetzt, wenn alle anderen (luft- und/oder bodengebundenen) Rettungsmittel nicht oder nicht rechtzeitig am Notfallort eintreffen können bzw. ein Transport des Patienten nicht oder nur unter äußerst widrigen Umständen mit anderen (Luft-)Rettungsmitteln durchgeführt werden kann.
  • 3. Durch die Verwendung der einheitlichen Flotte von “Dauphins“ (AS 365 N3) können intensivpflichtige Patienten luftgebunden transportiert werden, die ansonsten nur bodengebunden mit dem Intensivtransportwagen (ITW) befördert werden können (ECMO etc.).
  • 4. Das ITH-System der Johanniter Luftrettung ergänzt somit das bestehende bodengebundene ITW-System – nicht nur der Johanniter.
  • 5. Alarmiert werden die ITHs der Johanniter Luftrettung in Hessen von der zuständigen Koordinationszentrale für Sekundärtransporte (KST) bei der Branddirektion Frankfurt/Leitstelle Frankfurt am Main, außerhalb Hessens von der in Mainz ansässigen Johanniter-Alarmzentrale (JAZ). Darüber hinaus können regionale Leitstellen im Bedarfsfalle die ITHs jederzeit direkt oder über die Frankfurter KST bzw. die Mainzer JAZ zu primären/postprimären Einsätzen anfordern.
  • 6. Die Johanniter Luftrettung bietet ihre Dienste nicht nur bundesweit, sondern auch im Rahmen des Rückholdienstes weltweit an. Hierfür hat sie Kooperationspartner gewinnen können, auch im Ausland. Neben dem öffentlich-rechtlichen Verbund der Berufsgenossenschaftlichen Unfallkliniken, zu denen auch das Bergmannsheil in Bochum gehört, sind dies unter anderem die großen privaten Klinikverbünde Asklepios, Fresenius, Helios und Rhön-Klinikum. Letzteres betreibt in Gießen das einzige privatrechtliche Universitätsklinikum in Deutschland, die Uniklinik Gießen/Marburg (UKGM). Und dort ist seit Juli 2014 der Dual-Use-ITH “Christoph Gießen“ stationiert.

Die ITH ergänzen das bodengebundene ITW-System – nicht nur der Johanniter (hier der ITW des JUH-Regionalverbandes Rhein-Main im Mai 2013 am Marienkrankenhaus in Nassau an der Lahn)

Die ITH ergänzen das bodengebundene ITW-System – nicht nur der Johanniter (hier der ITW des JUH-Regionalverbandes Rhein-Main im Mai 2013 am Marienkrankenhaus in Nassau an der Lahn)
Foto: Jörn Fries

rth.info wünscht der Johanniter Luftrettung und ihren ITH-Crews einen guten Start in die neue Ära. Wir werden weiter über das interessante Projekt berichten.

 

Nachrichten zu diesem Thema im Archiv

Autor(en)
Jörn Fries
Wir danken für Unterstützung:
Günther Lohre, Geschäftsführer der Johanniter Luftrettung, für die Bereitschaft, sich gegenüber rth.info zu den Plänen der Johanniter Luftrettung zu äußern, und den beteiligten Behörden für ihre Offenheit und Unterstützung bei der Recherche